Heute könnte etwas beginnen

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Weder ist die Straße so wie immer, noch reden die Nachbarn – normalerweise in den Warteschlangen auf den Märkten miteinander schwatzend – heute über die üblichen Themen. Sie ziehen die Augenbrauen hoch und zeigen mit dem Kopf Richtung Norden, während sie Vorhersagen darüber machen, wer an den nordamerikanischen Urnen gewählt werden wird. Ich kann mich nicht erinnern, ein so ein aufgeregtes Geschwätz bezüglich der kubanischen Präsidentschaftswahlen vom vergangenen Februar erlebt zu haben.

Der Schuhmacher aus meinem Wohnblock hat sich schon für einen Kandidaten entschieden und das Mütterchen, das Blumen verkauft, hat einen Obama-Sticker an ihre Bluse geheftet.
Unsere langweilige Genesis mit nur zwei Präsidenten in 50 Jahren verschlimmert noch die Neugierde gegenüber fremden Wahlen. Wir wissen auch, dass die Entscheidung der US-amerikanischen Wähler sich hier im Land auswirken wird und zwar nicht nur so metaphorisch wie der Flügelschlag eines Schmetterlings im Amazonas. Die Rücküberweisungen, die es Tausenden von Kubanern ermöglichen, das Monatsende zu erreichen, stammen zum größten Teil vom anderen Ufer, wo ein Teil dieser Insel wohnt, und Beschimpfungen wie „Würmer“ „Vaterlandsverkäufer und „Mafiosis“ es nicht fertiggebracht haben, diesen Teil von unseren emotionalen und familiären Bindungen auszuschließen. Der politische Diskurs unserer eigenen Regierenden würde an Schlagkraft verlieren, könnten sie den Vereinigten Staaten nicht mehr die Rolle des Feindes zuweisen. Kubas Schicksal war noch nie zuvor so derart abgesondert, und trotzdem so abhängig davon, was in 90 Meilen Entfernung vor sich geht.

Daher sind wir alle gespannt, wer an diesem Dienstag, dem 4. November, als Gewinner hervorgehen wird. Diejenigen, die Kinder haben, die nur alle drei Jahre zu Besuch kommen dürfen, glauben daran, dass der demokratische Kandidat das Reisen auf die Insel vereinfachen wird. Andere setzen darauf, dass die harte Hand der Republikaner es schaffen wird, die Öffnung durchzusetzen, auf die wir seit Jahrzehnten gewartet haben. Angesichts der Unsicherheit, die die Innenpolitik unserer Insel kennzeichnet, gibt es einige die darauf verweisen, dass das heutige Wahlergebnis den Karren der kubanischen Reformen entweder in Gang setzen oder – definitiv – in den Graben fahren wird.

Ich würde bevorzugen, dass wir ihn selbst anschieben, aber nur sehr wenige wollen die Beschäftigung mit der Propheterie gegen die beschwerliche Aufgabe tauschen, dafür zu sorgen, dass Dinge in Gang kommen. Bis zu der Stunde, in der ich diesen Eintrag schreibe, scheint das eigenwillige Gefährt des Wandels wegen einer Panne am Straßenrand liegengeblieben zu sein. Ich habe meine Zweifel, dass er sich wegen des Geschehens am heutigen Dienstag in Bewegung setzen wird.

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

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2 Gedanken zu „Heute könnte etwas beginnen

  1. Ja, wie wird das in Zukunft aussehen?Also das ist ja einmal klar:Die Blockade in 50 Jahren hat nichts ereicht also muss es anders versucht werden,Obama wird versuchen mit Raul ins Gespraech zu kommen.Ich glaube beide sind bereit sich irgendwelche Konzessionen zu machen,Also wird der Kuhhandel anfangen,Auch wenns den Kubanern in Miami nicht gefaellt,Aber vielleicht wird auf diesem Weg Yoani und auch den Kubanern geholfen werden,So stolz auf ihre Werte kann ja in der augenblicklichen Situation die Marktwirtschaft auch nicht mehr sein.

  2. Hallo! Wie denkst Du, nachdem inzwischen klar ist, daß Obama künftig der sogenannte „mächtigste Mann der Welt“ sein wird, über die möglichen Veränderungen in Kuba? Bin sehr gespannt auf Deinen nächsten diesbezüglichen Artikel!

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