Der längste Krieg

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Am Donnerstag wurde auf der ganzen Insel ein kubanischer Film über den Krieg in Angola uraufgeführt. Rings um die Kinos haben die Pärchen lieber die Richtung gewechselt und sich ins Dunkel verzogen, sie haben nämlich wenig Interesse am Feldzug Kubas in Afrika. Der Film leidet an einer Verspätung von ein paar Jahrzehnten und beschäftigt sich mit einer Geschichte, deren Bestandteile noch immer nicht alle freigegeben sind. Ende der achtziger Jähre hätte es bei „Kangamba“ lange Warteschlangen und leidenschaftliche Kommentare gegeben; aber jetzt möchten nur sehr Wenige dieser Geschehnisse gedenken.

Kubas Kampf auf angolanischem Boden war der längste Krieg in der Geschichte Kubas. Fünfzehn lange Jahre in einem fremden Land kämpfen, töten und sich töten lassen für Menschen, die nicht recht wussten, wo diese Insel überhaupt liegt. Das waren die Zeiten, in denen der Kreml seinen Schatten auf Kuba warf. So abhängig waren wir von ihm, dass unsere Führung nicht zögerte, sich seinem Feldzug gegen die UNITA anzuschließen! Die Geopolitik hält genau jene harten Prüfungen für die kleinen Länder bereit, die um die großen Imperien kreisen.

Mir fällt auf, dass es während der fünfzehn Kriegsjahre auf keinem öffentlichen Platz einen Protest kubanischer Mütter gegeben hat, die ihre Söhne nicht an die Front schicken wollten. Niemand warf in den Medien die Frage auf, die sich alle stellten: „Was haben wir in Angola zu suchen?“, und schon gar keine Friedensbewegung füllte ein Rekrutierungsbüro mit weißen Tauben. Als Staatsbürger waren wir damals fügsamer als heute, und man schickte uns zu töten und zu sterben, ohne dass wir so recht wussten, was wir taten.

Heute sind wir informiert über jeden Verlust, den die nordamerikanischen Streitkräfte im Irak erleiden, aber ich erinnere mich an die Geheimniskrämerei über die Zahl der gefallenen Soldaten im Angolakrieg. Wir erfuhren, dass der Nachbar einen Bruder verloren hatte, oder der Arbeitskollege kam ohne sein zweites Bein zurück, aber die Presse spielte nur die Siegessinfonie. Die Toten wurden privat beweint, in Familien, die nicht recht verstanden, was ihre Söhne auf der anderen Seite des Atlantiks zu tun hatten. Es blieben die Grabstellen auf dem Friedhof, die gerahmten Fotos in den Familienwohnzimmern, die vollen Blumenvasen an jedem Jahrestag und die langen Reden derjenigen, die den Krieg aus der Ferne gesehen hatten. Aber niemand konnte eindeutig die Frage beantworten: „Was hatten wir Kubaner in Angola zu suchen?“

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

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