Eine Propagandatafel als Dach

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Am Samstag nutzten wir die Gelegenheit, eine Freundin in ihrem Auto nach Pinar del Río zu begleiten und ein paar Spenden für die Geschädigten mitzunehmen. Kleidung und Lebensmittel von Leuten, die selbst kaum etwas besitzen, die aber denen helfen möchten, denen es noch schlechter geht. Diese Solidarität unter Mitbürgern darf nicht aufhören, selbst wenn sie unbedeutend erscheint verglichen mit dem, was Regierungen und NGOs geben können. Ziel der gesammelten Gegenstände war das Dorf Consolación del Norte und die umliegenden kleinen Nester, von denen manche noch keinen Strom haben.

Auf der Landstrasse überrascht die Geschwindigkeit, mit der sämtliche Propagandatafeln wieder aufgebaut worden sind. Diese Anschlagtafeln wären wesentliche praktischer, wenn sie als Hausdächer eingesetzt würden statt für die aktuelle ideologische Propaganda. Ein einziges dieser Riesenposter aus Metall würde ausreichen als Bedachung für ein Haus, dessen Bewohner noch immer unter freiem Himmel schlafen. Könnt ihr euch ein Dach vorstellen mit der Aufschrift „Nur von unserer Hände Arbeit entstehen die Ressourcen“? Unter einer solchen Binsenweisheit zu leben wäre zwar nicht besonders erfreulich, aber wenigstens wäre man im Trockenen.

Bei meiner Rückkehr in diese Region fand ich bestätigt, dass der Wiederaufbau noch Jahre dauern wird, dass es wenig Hoffnung gibt und dass das Schlimmste erst noch kommen wird. Wenn nämlich die erste Hilfsbegeisterung vorüber sein wird. Die Polizei hat ihre Straßenkontrollen verschärft, um den Warenverkehr für den Schwarzmarkt zu unterbinden. Schlechte Nachrichten für alle wie uns, die wir in großem Maße angewiesen sind auf die Verkäufer, die an unsere Tür klopfen. Eine intensive Kampagne gegen Unterschlagungen, gegen die hohe Preise auf den Bauernmärkten und gegen alle, die negative Gerüchte streuen, weist hin auf das, was kommen wird. Wir wissen schon, dass solche Offensiven mit Attacken gegen das Illegale beginnen, und dass sie dann ausgeweitet werden und schließlich das bisschen Meinungsfreiheit einschränken und sogar zur Verfolgung der Straßenverkäufer von Erdnüssen führen. Der „Belagerungszustand“ verschärft sich. Deshalb würde es mich nicht wundern, wenn – um Exempel zu statuieren – Gerichtsverfahren geführt würden mit dem Zweck, „den Sozialismus bewahren“.

Nach diesen beiden Hurrikanen sind wir in einen Szenario gefangen, das wir bereits kennen. Nämlich dem einer Staatsmacht, die mit Zentralismus, Kontrolle, der Androhung juristischer Maßnahmen und mit harter Hand versucht, das zu lösen, was mit Öffnung, Raum für private Initiativen, Freiheiten und Reformen behoben werden sollte.

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Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

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