Von Gorki zu Gustav

gustav_de.JPG

Ich habe viel von dem zu erzählen, was in den letzten zwei Tagen geschehen ist. Ich weiß, dass ihr von mir Einzelheiten hören wollt über das, was bei dem Konzert am Donnerstag passiert ist, über das Transparent, die Prügel, die Verhaftungen, den unglaublichen Polizeieinsatz und unsere „aktive Wartestellung“ vor dem Bezirksgericht in Playa, die schließlich mit der Freilassung Gorkis endete. Das Gerichtsverfahren alleine gäbe Material ab für etliche Blogeinträge. Ich war dort, um mit eigenen Augen die Haltlosigkeit der Beschuldigungen gegen den Rocksänger bestätigt zu sehen. Leider erlaubt mir die Wetterlage in Havanna – wegen Gustav – nicht, aus dem Haus und von einem öffentlichen Ort aus ins Internet zu gehen. Über meiner Terrasse – vierzehn Stockwerke über der Erde – wehen bereits heftige Winde, und wir müssen anfangen, die Fenster zu verriegeln und die Pflanzen in Sicherheit zu bringen. Heute muss ich einem anderen Wirbelsturm die Stirn bieten.

Auf jeden Fall aber möchte ich vorab sagen, dass ich noch nie so viel Einigkeit und Zusammenarbeit gesehen habe wie in diesen letzten beiden Tagen zwischen der internationalen öffentlichen Meinung, den Informationsmedien und einem Teil der kubanischen Zivilgesellschaft. Gestern haben wir gezeigt, dass die Mauer verrückt werden kann, wenn wir zusammenhalten. Wir haben sie zum Nachgeben gezwungen, dazu, ein Unrecht rückgängig zu machen, und dieser Präzedenzfall ist sehr gut für uns und äußerst gefährlich für „sie“. Das Internet hat sich im Fall Kubas als möglicher virtueller Versammlungsraum erwiesen, mit dem wir unsere Kräfte bündeln können. Ich hoffe, dass auf diese Zentimeter, um die wir die Grenzen verrücken konnten, nun Meter um Meter wieder gewonnener Freiheiten folgen.

* Diesen Eintrag habe ich Freunden am Telefon diktiert, die ihn ins Netz stellen werden. Mit ihrer Hilfe konnte ich gestern von außerhalb des Gerichtsgebäudes berichten. Mein besonderer Dank gilt Ernesto Hernández Busto, der dafür sorgte, dass viele dieser Nachrichten das Licht der Seiten von penúltimos días erblickten.

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

Advertisements

Hinterlassen Sie uns ein Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s