Hoch und runter

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Mehr als zwanzig Jahre Herumflicken am sowjetischen Fahrstuhl und sportliche Betätigung beim Treppensteigen gehen zu Ende. Zwei nagelneue russische Aufzüge sind gerade an meinem Haus angekommen, um die überholte sozialistische Technologie zu ersetzen.
Wir haben warten müssen, bis dieses uralte Artefakt seinen „lebensgefährlichen Zustand“ deutlich zu erkennen gab, bis in den Gebäuden der Armee – nahe dem meinen – die Fahrstühle ausgetauscht wurden, und darauf, dass die kubanisch-russischen Beziehungen wieder aufzublühen begannen.

Ich bin glücklich, denn Reinaldo wird jetzt nicht mehr so viel Zeit fürs Reparieren des prähistorischen Fahrstuhls aus Armenien aufwenden müssen. Dank derjenigen, die Reinaldo vor zwanzig Jahren aus seinem Beruf herausgedrängt haben, profitierten wir Bewohner der 144 Wohnungen von einem zum Mechaniker mutierten Journalisten, der – da selbst im 14. Stock lebend – ein großes Interesse an der Reparatur des Aufzuges entwickelt hat. Nur dank der Bemühungen der Hausbewohner konnte die Lebensdauer von etwas verlängert werden, das schon vor vielen Jahren hätte ersetzt werden müssen. Die Lösungen, derer sich die Bürger und Bürgerinnen bedienen, werden häufig als „Errungenschaft des Systems“ dargestellt, dabei sollten sie als verzweifeltes Strampeln um das Überleben verstanden werden.

Nachdem wir ein Jahrzehnt lang einen der Fahrstühle ausgeschlachtet haben, um dessen Teile in den anderen einzusetzen, damit wenigstens einer von beiden läuft, haben wir jetzt die Hoffnung, dass beide erneuert werden. Der Einbau wird ungefähr vier Monate dauern, in denen ich viele Kalorien auf den 232 Treppenstufen verbrennen werde, die mich von der Straße trennen. Wie auch immer, ich erschrecke nicht angesichts dieses Intensivtrainings: Ich bin diese vierzehn Stockwerke schon mit dem Fahrrad auf dem Rücken hochgestiegen, oder eine Matratze tragend, und unzählige Male mit meinem Sohn auf den Armen. Jetzt werde ich es aus der Hoffnung heraus tun, dass wir bald zwei neue Aufzüge haben werden. Es werden keine sowjetischen sein, so wie jene von solch’ schlechter Qualität, sondern – und hier lohnt sich die Unterscheidung – einfach „russische“.

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

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