Kleine Besitzlose

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Als Kind habe ich es nie geschafft, den Namen des nahe bei meiner Wohnung gelegenen Kindergartens auszusprechen. Noch heute – mit abgeschlossener Phonetikausbildung – kriege ich bei dem Wort „proletaritos“* einen Knoten in die Zunge. Wie machen es nur die Kleinen dort, um den Namen ihres Kindergartens auszusprechen? Wäre ihnen nicht etwas Netteres lieber wie „Maripositas“, „Rayitos de sol“ oder „Blancanieves“** statt dieses klassenbewussten und antiquierten Ausdrucks?

Der größte Schreck mag sogar erst später kommen, wenn sie schon lesen können und sie sich anschicken im Lexikon den Sinn dieses merkwürdigen Wortes auf dem Eingangsschild nachzuschauen. Gleich beim ersten Eintrag unter „Proletarier“ werden sie herausfinden, dass es sich um „besitzlose Menschen“ handelt, die „über kein Vermögen verfügen“. Und sie werden sich ärgern über diejenigen, die ihnen die Zunge „verknotet“ haben und sie darüber hinaus auch noch dazu verurteilten, kein Eigentum zu besitzen.

Anmerkungen der ÜbersetzerInnen:

* Wörtlich: Proletarierchen (auch auf Deutsch ein Zungenbrecher)
** Dt.: kleine Schmetterlinge, kleine Sonnenstrahlen oder Schneewittchen

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

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