Karneval

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Der Malecón, die Uferpromenade von Havanna, rüstet sich für den Karneval. Auf der Esplanade „La Piragua“ preisen sich etliche Verkaufszelte als internationale Speiserestaurants an, und im gesamten Küstenbereich tauchen bunte Kioske auf. Auf den Gehwegen und in den Hauseingängen sind schon die Metallgerüste zu sehen, die später als Logen benutzt werden. Währenddessen feilen die Karnevalstruppen an den Choreografien, die sie ab Freitag vorführen wollen.

Weil die Termine unserer Volksfeste andauernd verschoben wurden, sind wir jetzt ein Volk, das nicht so genau weiß, wann denn sein Karneval beginnt. Die Ankündigung, dass die Karnevalstage bald anfangen werden, trifft uns überraschend, und wir sind noch nicht einmal enttäuscht, wenn man sie ausfallen lässt. Ich erinnere mich, dass wir im Sommer 2006 auf den frisch gestrichenen Karossen sitzen blieben, da die Congas aus Havanna nicht zu dem düsteren Szenario von Fidel Castros Krankheit passten.

Zum Glück laufen dieses Jahr die Karnevalsgruppen wieder los. Wir werden weiterhin einen schizophrenen Karneval erleben: den größten Teil der Angebote für Devisen und einen kleinen Vergnügungshappen für diejenigen, die nur Pesos Cubanos ihr eigen nennen. Aufgrund von Gewalt und sozialer Ausgrenzung kommt bei unserem Rummel nicht mehr die ganze Familie zusammen. Trotz allem ist dies der richtige Moment, um Vorschriften abschütteln, den Mangel und die unerfüllten Erwartungen. Tanzen ist eine herrliche Art des Vergessens.

Es wird also gefeiert, in genau dem Küstenbereich, wo – vor vierzehn Jahren – die Bevölkerung von Havanna in einer sozialen Revolte ihrer Unzufriedenheit Ausdruck verliehen hat. Wir werden rund um die Kaimauer trinken, auf der das Gewicht der improvisierten Flöße nach Norden lastete. Es wird Salsa und Reggaetón geben auf derselben Prachtstraße am Meer, auf der seit Monaten keine Demonstrationen mit Sprechchören und Fahnenschwenken mehr zu sehen waren. Auf dieser Uferpromenade, die uns schreien, auswandern und heucheln sah, werden wir – während dieser Tage – unseren Spaß haben.

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

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