Cyber-Krüppel

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Das ganze Thema der im Internet vertretenen Zivilgesellschaft, die ihre eigenen Projekte entwickelt, bleibt für uns Kubaner eine Nummer zu groß. Weil wir in der Realität immer noch nicht zu Staatsbürgern geworden sind, fällt es uns schwer, uns im Netz wie selbige zu verhalten. In diesem Fall bringt es nichts, Etappen zu überspringen, so wie wir es mit den Videokassetten (die niemals in kubanischen Läden verkauft wurden), den Bandaufnahmegeräten und praktisch auch mit den 5¼-Zoll-Floppies getan haben, sondern wir werden einen Kurs in zivilbürgerlichem Verhalten absolvieren müssen, und zwar vorher – und in der Realität.

Mal schauen, ob ich schaffe, die verquere Logik unseres virtuellen Raumes zu verstehen: „Kubanische Staatsbürger haben nicht die Möglichkeit, eine eigene Domain zu kaufen und sie bei einem lokalen Server zu unterhalten, aber sie werden angeklagt, wenn es ihnen gelingt, eine Seite in einem anderen Land zu hosten“; „die offiziellen Blogger spiegeln die Realität wider, aber wir, die Alternativen, sind Marionetten irgendeiner ausländischen Macht …“; „Internet ist ein Terrain für eine so genannte Schlacht der Ideen, von der niemand wenigstens ein Prinzip aufzählen kann, dass nicht die Intoleranz ist …“; und trotz der Verkrüpplungen in unserer Gesellschaft und trotz vieler fehlender Teile haben wir das Internet letztendlich doch noch betreten.

Wenn es so weiter geht, wird im Netz genau das passieren, was bereits in unseren Straßen zu beobachten ist: Menschen, die zunächst – und insbesondere vor Kameras und Mikrofonen – einen Enthusiasmus und eine ideologische Loyalität zur Schau stellen, die nur „Schall und Rauch“ sind. Daher geben wir uns im Internet folkloristisch und ökologisch; wir tummeln uns bei den Arbeitsangeboten oder den Anzeigen und laden auch mal Gratis-Musik herunter, doch Vorsicht mit dem Aussprechen von Meinungen. Im WWW muss man dieselben Masken tragen, die wir uns in unserem Leben überstreifen. Das mit den Cyberrechten wird wohl warten müssen. Mal sehen, ob wir uns nicht eines Tages anschicken, wenigstens Staatsbürger zu werden.

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

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