Flügel und Anker

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Haus- oder Wohnungseigentümer zu sein, ist nicht unbedingt Anlass zu immerwährender Freude. Wenn Ihnen das Haus gehört, Sie aber weder die Mittel haben, es instand zu halten, noch Pesos Convertibles, um die für das Haus notwendige Farbe, den Zement oder die Fliesen zu kaufen, dann sind Sie eher der Besitzer eines Problems in Form von Wohneigentum. Obwohl natürlich viele, vor allem jene die an den Rändern dieser Stadt ohne irgendeine legale Absicherung in schnell zusammengezimmerten Hütten leben, davon träumen, dass sie sich einmal mit solchen „Problemchen“ herumschlagen müssten.

Mit der Zeit stellen Sie fest, dass die Fassade bröckelt, dass es nicht mehr sicher ist, sich auf dem Balkon aufzuhalten oder dass durch die Stöße der Wassereimer die Treppenstufen in lauter Teile zerbrochen sind. All dies erleidet man wegen dieser eigenartigen Doppelrolle als Eigentümer und Enteigneter. Letzteres deshalb, weil die Bestimmungen, Verbote und Beschränkungen für Ihr Eigentum so zahlreich sind, dass Sie den Eindruck haben, Sie müssten für alles eine Genehmigung einholen, was mit ihrer Wohnung zu tun hat.

Dieses Heim, in das Sie viele Stunden Arbeit gesteckt, Ihre finanziellen Mittel investiert oder dessentwegen Sie sogar die morbide Hoffnung auf den Tod eines Familienangehörigen gehegt hatten, um ihn beerben zu können, ist Ihnen „Flügel“ und „Anker“ zugleich. Es erlaubt Ihnen, Freunde nach Hause einzuladen und gemeinsam Zeit unter Ihrem eigenen Dach zu verbringen, aber Sie können es nicht einfach so jemandem überlassen, wenn Sie das möchten. Und falls Sie an eine kleine „Auszeit“ im Ausland denken: Die Alarmglocken einer drohenden Konfiszierung lassen Sie – spätestens nach elf Monaten – aus Ihren Reiseträumen erwachen. Es scheint, als ob Wohneigentum nicht nur Heim und Zuflucht ist, sondern auch ein Klotz am Bein.

Daher spielen Sie mit dem Gedanken, in die Vermietung an Ausländer einzusteigen und auf diese Weise den Verfall zu stoppen, der schon überall zu sehen ist – doch seit Jahren werden für diese Aktivitäten keine neuen Genehmigungen mehr erteilt. Also beschließen Sie, Ihr Wohneigentum einzutauschen, gegen etwas Kleineres, das besser erhalten ist. Doch ein freundschaftlicher Ratschlag macht Sie darauf aufmerksam, dass die staatliche Wohnungsbehörde Sie sogar enteignen könnte, wenn sie davon Wind bekommt, dass Sie bei diesem Tausch dafür Geld erhalten, dass Sie sich verkleinern.

Kurz und gut, es bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als sich damit abzufinden, dass Ihnen Ihr Wohneigentum bald auf den Kopf fallen wird. Immerhin, Sie besitzen wenigstens die Eigentumsurkunde und können sich damit Luft zufächeln, während Sie dem Verfall zusehen!

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

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