Glückliche Landbevölkerung

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In die Rucksäcke packten sie ein paar Dosen mit Fleisch, einige Kerzen und einen alten Fotoapparat der Marke „Zenit“. Bis Santiago de Cuba fuhren sie mit dem Zug und erreichten sehr früh am Samstag die Berge. Sie wollten bis Baracoa wandern, in den Nächten mitten auf einem Berg ihr Zelt aufschlagen und sich darin mit der Ungezwungenheit ihrer siebzehn Jahre lieben. Geplant war eine viertägige Wanderung und für den Dienstag ein unvergesslicher Abstieg hinab zum Meer und nach Baracoa, der Wiege Kubas.

Nach der ersten Nacht sahen sie einen Bauern, der mit einer Reihe aneinander gebundener Maulesel unterwegs war. Die Zweifel, ob sie sich diesem nähern sollten oder nicht, wurden durch ein Argument seinerseits weggefegt: „Fragen wir ihn, wo sich das nächstgelegene Gehöft befindet“. Sie, vorsichtiger, wollte ihn darauf hinweisen, dass es in den Bergen nicht mehr so sei wie früher, als die Bauern das Wenige, das sie besaßen, mit jedem x-beliebigen Fremden geteilt hatten.
Gleichwohl gingen sie auf ihn zu und der Maultiertreiber fuhr sie an: „Was habt ihr hier zu suchen? Ohne Genehmigung darf man in diesen Bergen nicht herumlaufen“.

Es war bereits zu spät, diesen Fehler ungeschehen zu machen und so blieb ihnen nichts anderes übrig, als den Mann ins nächste Dorf zu begleiten, wo sie mit Fragen überhäuft wurden. Der Lehrer der Dorfschule sagte ihnen, dass sie sich ruhig verhalten sollten bis die Polizei käme und war sehr bemüht herauszufinden, wer sie auf die Idee gebracht hätte, in die Sierra Maestra vorzudringen. Sie erzählte von Zen, von kosmischer Energie und einigen Übungen des Tai Chi, die sie mit der Natur verbinden würden. Doch sie glaubten ihnen nicht.

In der Nacht traf der regionale Polizeichef ein und sie mussten nochmals wiederholen, dass sie nur wandern, gemeinsam unter den Bäumen zelten und auf dem längsten Weg nach Baracoa gelangen wollten. Man brachte sie zurück nach Santiago auf die Polizeiwache und dort wurden sie dazu genötigt, in einen Bus nach Havanna zu steigen. Während der langen Reise mussten sie immer wieder an die Einwohner dieses völlig abgeschiedenen Dorfes denken, die der Polizei gesagt hatten: „Nehmen Sie sie mit, die führen etwas Seltsames im Schilde. Wem würde es sonst einfallen, durch diese Berge wandern zu wollen?“

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

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