Medaillen zu verkaufen

medallas

Militärische Orden, Sterne, Auszeichnungen von größerer oder kleinerer Bedeutung: Abzeichen, die an den Glanz vergangener Zeiten erinnern. Neben den Büchern, die auf der Plaza Vieja verkauft werden, und den Touristen-Postkarten mit dem Antlitz von Che, haben wir hier den größten Medaillenmarkt des Landes. Während in Ostdeutschland der Handel mit Abzeichen erst nach dem Fall der Mauer die Straßen eroberte, ist er hier vor den Augen derer entstanden, die sich das Blech ans Revers steckten. Viele vorbildliche Arbeiter, invalide Soldaten und die Vorkämpferinnen der Frauenvereine, die solche Ehrungen erhielten, tauschen sie heute lieber gegen konvertible Pesos ein. In harter Währung vermarkten sie das Objekt, das sie als soziale Vorbilder auszeichnete, die es nachzuahmen galt.

Auf einer roten Tischdecke werden, frei von jeglicher Nüchternheit, die Embleme einer unter Diplomen und Auszeichnungen erstickenden Nation zur Schau gestellt. Das sowjetische Erbe hat uns diese ewig lange Reihe von Orden, Auszeichnungen, Olivenzweigen, Lorbeerkränzen aus weichem Metall, Zertifikaten für herausragende Leistungen, Hammer und Sichel, rot bemalt, und auf Zink aufgedruckten Wappen der Republik hinterlassen. Kultgegenstände der Anerkennung, die den Kitsch und die Maßlosigkeit aus dem Kreml widerspiegeln. In diesen Jahren wollte niemand auf seine Abzeichen verzichten, da man durch diese Vorteile und Vergünstigungen bekam. Zu den Versammlungen, an denen ein Kühlschrank oder eine Waschmaschine verteilt wurden, kamen die Anwärter für die Elektrogeräte mit all ihren Abzeichen, die sie am Hemd aufgereiht hatten. Das Treffen wurde so zu einem Schaulaufen der Verdienste, zu einem Karneval der übertriebenen Heldentaten. Aber das ist lange her…

Nun, im so skeptischen Jahres 2012, ruft die Ästhetik dieser Abzeichen eine Mischung aus Neugier und Verwunderung in uns hervor. Einige Obdachlose der Altstadt von Havanna platzieren sich diese auf die Brust, damit die lächelnden Touristen ihnen ein paar Münzen schenken. Viele dieser Reliquien liegen auch ganz hinten in unzähligen Schubfächern, verborgen aus Gleichgültigkeit oder Enttäuschung des Empfängers. Andere haben – schlicht gesagt – ihren Preis. Sie werden auf dem Antiquitätenmarkt verkauft neben numismatischen Stücken aus dem 19 Jahrhundert oder achtzigjährigen Leica-Kameras. Die Käufer wiegen die Medaillen, feilschen mit dem Verkäufer, legen sie schließlich wieder hin oder nehmen das kalte Metall mit, das so viel Pomp wie Pleiten enthält, Glanz und Niedergang.

Übersetzung: Valentina Dudinov