Conferencia reimt sich auf Paciencia*

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Dieser Januar gleicht dem Oktober, Juli, November, allem anderen eher, als dem ersten Monat des Jahres. Wenn es etwas gibt, was den Jahresanfang charakterisiert, dann ist es, Pläne zu schmieden, sich vorzustellen, was kommen wird, und Vorsätze zu fassen, auch wenn sie später nicht erfüllt werden. Aufgrund dessen, dass wir mit so vielen Parolen, welche die Zukunft voraussagten, aufgewachsen sind, weigern wir uns heute, von morgen zu reden. Zermürbt davon, uns eine entfernte Zukunft vorzustellen, die 5 oder 10 Jahre auf sich warten lässt, wollen wir mittlerweile nicht einmal mehr die nächste Woche planen. Deshalb konzentrieren wir uns auf diese Minute in einer Unmittelbarkeit, die es nicht erlaubt, aufzublicken und nach vorne zu schauen. Wir leben den Augenblick, weil man uns viel zu lange auf eine entfernte Zeit hoffen ließ, die nur in den öffentlichen Reden und auf Buchseiten existierte.

Auch die nächste Konferenz der kommunistischen Partei ist gezeichnet von der Skepsis gegenüber allem Künftigen. Deshalb verwundert es nicht, dass die Kubaner wenig Erwartung bezüglich des Treffens der Parteimitglieder am 28. Januar zeigen, und dass so wenig darüber auf der Straße geredet wird. Die spärlichen Kommentare reduzieren sich auf die Versicherung, dass „diese Konferenz gar nichts ändern wird“ oder auf das Fünkchen Hoffnung, „dies sei die letzte Gelegenheit der schon „historischen“ Generation“. Weniger als 3 Wochen vor ihrem Beginn nimmt man nicht einmal in den offiziellen Fernsehkanälen Enthusiasmus für dieses Ereignis wahr. In den eigenen Reihen der Partei gibt es auch nicht viele Illusionen und mehr als nur einer der aktiven Mitglieder wird seinen Ausweis zurück geben, sollte die Versammlung mit armseligen Ergebnissen enden. Die Frist der im April durch den Kongress des PCC erkauften Zeit ist dabei abzulaufen. Politische Reformen sind dringend notwendig und sogar die Systemtreuesten verzweifeln allmählich.

Das Unwahrscheinlichste und dennoch das am meisten Ersehnte wäre, wenn in dieser Konferenz die Sorgen um die Nation als wichtiger erachtet würden als die Interessen der Parteimitglieder. Aber das bedeutete, von der PCC zu verlangen, sich selber auszulöschen … und das wird sie nicht tun. Sie wird sich nicht der Beteiligung der Bürger ohne Ausschlüsse öffnen und auch nicht die Bestrafung Abweichender abbauen. Ihr gefällt diese Art von Macht. Die Reformen müssten derart klar ersichtlich sein, der Wechsel in der Redeweise so markant, dass anstelle von einfachen Feinjustierungen der dicke Rotstift her muss, um von Null anfangen zu können … und am wahrscheinlichsten ist es, dass man sich weigert, das zu tun. Weil schon seit langem der Januar kein Januar mehr ist, die Revolutionäre sich nicht mehr wie solche verhalten und die Zukunft nur noch ein Fach für Weissager und Kartenleger ist.

Anm. d. Ü.
* Geduld
Übersetzung: Birgit Grassnick

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2 Gedanken zu „Conferencia reimt sich auf Paciencia*

  1. Reformen sin in Kuba dringend notwendig. Die Doppelwährung (CUC/CUP) gehört abgeschafft, und man soll auch das Haus an Ausländer verkaufen dürfen. Bauen dürfen seit kürzem direkt an Hotels liefern, warum aber nicht selbst exportieren?

    Aber die “Politischen Reformen” (das Adjektiv von Yoani) wollen viellecht 100 Kubaner, die Disidenten. Ausser ihnen verlangt niemand die Zulassung der Privatpresse, oder eines Mehrparteiensystems. Die Kubaner sind zu gebildet, um ein Wahlzirkus, wie in den USA, oder Konzerne a la Berlusconi oder Springer ins Land zu holen.

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