Agent 000

serpa_maceira

Die Geschichte von verdeckten Ermittlern, von Maulwürfen unter den Reihen von oppositionellen Gruppen, ruft bei mir eher ein Gähnen hervor, als dass es mich alarmiert. Wenn einer dieser „Helden“ im offiziellen Fernsehen gezeigt wird, habe ich das Gefühl, eine dieser Fernsehserien zu sehen, in der die Personen Schauspieler sind, das Drehbuch von jemandem mit literarischem Talent geschrieben worden ist und die Szenen so lange gefilmt werden, bis sie überzeugend erscheinen. Die Strategie des getarnten Polizisten ist schon zu oft auf den kleinen kubanischen Bildschirmen ausgeschlachtet worden, ist zu abgenutzt in unserer Lebenswirklichkeit. Die Idee dahinter ist, uns glauben zu machen, dass jeder Freund, Verwandte oder sogar unsere eigenen Kinder eine Art Mata Hari sind, die im gegebenen Fall gegen uns aussagen werden. Das Misstrauen wird so zu einem lähmenden Element.

Ich lernte Carlos Serpa Maceira kennen, als er einmal zu mir kam, weil er einen Blog eröffnen wollte und ich ihm dabei helfen sollte. Es traf sich, dass er Reinaldo und mir erzählte, er habe Anfang der Neunziger Jahre an der Akademie für Journalisten studiert. Wir fragten ihn nach einigen unserer Freunde, die in diesen Jahren die gleiche Ausbildung durchlaufen hatten und seine Betretenheit war peinlich. Er kannte keinen einzigen der Namen, die wir erwähnt hatten. Als er gegangen war, sprachen mein Mann und ich über diesen armen Teufel, der ein Universitätsdiplom für sich erfand. Ich dachte damals nicht an die Möglichkeit, dass er für die Staatssicherheit arbeiten könnte, das gebe ich zu, aber ich versah ihn mit einem der heftigsten Beinamen, die ich für solche Individuen benutze: Mythomane.

Zwei Jahre später, am gestrigen Samstag erhielt ich eine kurze SMS von Serpa Maceira. In kaum 90 Zeichen und mit vier Schreibfehlern teilte er mir mit, dass er mich dringend sehen müsse oder dass ich ihn anrufen solle. Ich machte weder das eine noch das andere. Das war der letzte Köder, den er mir zuwarf, ein verzweifelter Versuch, ein Gespräch mit mir aufzuzeichnen, das wahrscheinlich in der Sendung, die noch am selben Abend übertragen wurde, abgespielt worden wäre. Sein Gesicht im Fernsehen war keine Überraschung, sein Vergnügen, das er empfand, als er die Damen in Weiß und unabhängige Journalisten ausspionierte, erschien mir blamabel. Noch während der Nachspann der Serie lief, schickte ich ihm eine kurze Nachricht auf sein Handy: „Rom bezahlt die Verräter, aber es verachtet sie.“

Ich wollte ihm noch mehr sagen, aber er hat schon genug mit der Geringschätzung, die ihm sein eigener Cäsar zukommen lässt, diese Institution, für die er arbeitet und die ihn wohl nur als eine weitere „Petze“ von vielen ansieht.

Übersetzung: Iris Wißmüller
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