Die Blockade ist aufgehoben

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Foto: Kärtchen für 60 Minuten Internetzugang in einem Touristenhotel

Im Polstersessel eines Hotels öffne ich meinen Laptop, sehe das langsame Blinken des Wlan-Sticks und die finsteren Gesichter des Wachpersonals. Heute könnte ein weiterer Tag werden, an dem ich versuche, mit einer anonymen Proxy-Adresse meinen eigenen Blog zu öffnen und die Zensur mit ein paar Tricks umgehe, die es mir ermöglichen, mich auf verbotene Wege zu begeben. Am unteren Bildschirmrand weist eine Anzeige darauf hin, dass ich mit 41 Kilobyte pro Sekunde im Internet surfe. Mit einer Freundin mache ich Scherze darüber und ermahne sie, dass wir auf unsere Haare achtgeben sollten, damit unsere Frisuren bei einer solch hohen „Geschwindigkeit“ nicht durcheinander geraten. Aber an diesem Nachmittag im Februar kümmert mich die geringe Datenübertragungsrate herzlich wenig. Ich bin hier um mich zu freuen, nicht um mich wieder über das verfluchte, durch Filter beschnittene Internet zu ärgern. Ich bin gekommen, um nachzuprüfen, ob die lange Nacht der Zensur Generation Y jetzt nicht mehr überschattet. Es genügt ein Klick und ich gelange auf die Startseite, die seit März 2008 für die kubanische Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich war. Ich bin so überrascht, dass ich einen Schrei von mir gebe und die Überwachungskamera an der Decke bei meinem unkontrollierbaren Lachen die Plomben meiner Backenzähne filmen kann. Nach drei langen Jahren kann mein Internetblog nun wieder von Kuba aus gelesen werden.

Die Gründe für die Aufhebung der Blockade kenne ich nicht. Ich kann nur mutmaßen, dass zur internationalen Informatikmesse, die 2011 in Havanna stattfindet, viele ausländische Gäste geladen sind, vor denen es besser ist, einen toleranten Eindruck zu machen und vermeintliche Lockerungen auf dem Gebiet der Meinungsfreiheit vorzuweisen. Es ist aber auch möglich, dass die Web-Polizei gemerkt hat, dass eine Seite für die Internetsurfer nur noch attraktiver wird, wenn man sie zensiert, und sich darauf hin entschieden hat, die verbotene Frucht wieder freizugeben, die sie in den letzten Monaten so sehr dämonisiert hat. Falls es sich doch um einen technischen Fehler handelt, der wieder behoben wird, wenn mein virtuelles Tagebuch wieder in den Schatten gedrängt wird, dann wird auch Zeit dafür sein, das in aller Öffentlichkeit anzuprangern. Aber momentan schmiede ich schon Pläne in der Überzeugung, dass die Plattformen http://www.desdecuba.com und http://www.vocescubanas.com lange für euch erreichbar sein werden.

Dieses Ereignis ist ein Sieg der Bevölkerung über die Teufel der Kontrolle. Wir haben ihnen entrissen, was uns gehört, diese unsere virtuellen Orte, mit denen sie lernen müssen zu leben, und die sie schon längst nicht mehr leugnen können.

Übersetzung: Florian Becker
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2 Gedanken zu “Die Blockade ist aufgehoben

  1. Eine “Feria InFormatica”in einem Land wo jede Nachricht zensiert ist und man das Internet nur vom Hoeren kennt, ist wieder so eine Zumutung von diesem Regime,Yoani ist schon zufrieden dass Ihre Artikel jetzt dank der Feria von einigen gesehen werden koennen, und hofft auf bessere Zeiten.Hoffentlich hat sie recht aber wie man diese Herren kennt…..Alles ist ja dort wie ein Roman von Kafka….Fidel , der ja zu allem was in der Welt pasiert seinen Senf dazu gibt spricht u,a, ueber die Atom Bomben Gefahr, Aegypten etc nur von einem schweigt er beharrlich: KUBA, da fehlen ihm scheinbar die Worte…

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