Der Karneval der Toten

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Die Rumba bewegt sich hin und her und die Menge durchpflügt den Malecón von Havanna, in einer sommerlichen Hitze, die einen dazu zwingt, sich den Schweiß mit den Hemdsärmeln abzuwischen. Im achten Stock eines nahestehenden Gebäudes, kann ein Mann die Trommeln und das Geschrei der Betrunkenen nicht mehr hören. Seine Gedanken werden begleitet von Maschinengewehrsalven, von dem Geruch eines fernen Afrikas, wo er einen Freund, seinen Verstand und einen Traum verlor.

Ariel ist die Hauptfigur von „Der Karneval der Toten“, dem neuesten Roman von Ernesto Santana, einem Schriftsteller, der über die Schattenseiten des Lebens in einer ebenfalls düsteren Stadt schreibt. Diejenigen, die seinen Schreibstil bereits kennen – brutal, präzise und voller Fragen – finden sich bei diesem neuen Text im alltäglichen Schmutz wieder, der so selbstverständlich geworden ist, dass wir ihn fast nicht mehr bemerken. Er führt uns in das Trauma derjenigen, die in ferne Länder geschafft und in einen Krieg hineingezogen wurden, den sie nicht verstanden und den viele von uns auch heute noch nicht verstehen. Eine Liebesgeschichte, Geister und HIV sind weitere Komponenten dieses knapp 175 Seiten langen Dramas. Eine Fiktion über Tote, die kommen und gehen, von Gespenstern mit Epauletten und Medaillen, voll mit Alkohol, die vergessen wollen und sich deshalb in die Umnachtung stürzen. Kurz gesagt, ein noch intimeres und schärferes Buch von Ernesto Santana, dem Gewinner des diesjährigen literarischen Wettbe-werbs „Romane aus der Schublade von Franz Kafka“.

Sehr bald werden wir in unserer Wohnung, im vierzehnten Stock eines Gebäudes jugoslawischer Bauweise, das sich genauso gut in jedem anderen Teil Kubas befinden könnte, dieses erschütternde und unentbehrliche Werk vorstellen. Weder Siegessicherheit noch Hoffnungslosigkeit sind dann willkommen.

1070 klicks in den letzten 24 Stunden.
Übersetzung: Valentina Dudinov

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17 Gedanken zu “Der Karneval der Toten

  1. Heute kommentiere ich lieber die letzten Tweets Yoani. Es tut mir leid, ich kenne den Kafka-Preisträger nicht.

    Vor ein paar Wochen wurde hier im Blog über die Lage der Gays in Kuba diskutiert. Jemand war der Meinung, die Kommentatoren des Blogs ideologisieren alles, es geht ihnen nur darum, die kubanische Regierung durch den Kakao zu ziehen. Auf Teufel kommt raus. Dabei argumentierte dieser Leser, Kuba hat viel für die Gleichstellung der Lesben und Gays in der Gesellschaft getan. Man erinnerte an Mariela Castro Espín, Tochter von Raúl Castro, Lesbe und Schutzengel aller Schwulen und Lesben im Reich ihres Vaters. Als ich das las, machte einen diplomatischen Rückzieher. Ich überlegte und gab zu: Mariela Castro hat eine willkommende Wende im Umgang mit dem Schwulsein in Kuba eingeleitet, dafür verdient sie Respekt.

    Das stimmt. Das würde ich heute noch unterschreiben. Wer erfahren hat, wie diese Machogesellschaft tickt, was sie den etwas weicheren Jungs in der Vergangenheit angetan hat, kann die Wohltaten von Mariela Castro nicht leugnen. Aber nun diese schreckliche Nachricht: Kubas unterstützt, dass Homosexualität in vielen Ländern dieser Welt weiterhin als Straftat angesehen wird.

    Kein Wunder, kann ich nur dazu sagen: Kuba pflegt eine Doppelmoral auf allen Ebenen. Das, was Kuba in der UNO unterschrieben hat, ist für die Menschen auf der Insel völlig irrelevant. Möglicherweise kriegen sie das nicht mal mit. Marielas Show in Kuba ist eine andere, und die Show, die sie im Christopher Street Day in Hamburg macht, lächeln und winkend aus einem bunten Oldtimer „a la Buena Vista Social Club“, ist wieder eine ganz andere Show. Die erste Show, die im Fernsehen, ist gut für die revolutionswilligen Schwule meines Landes, die zweite, die auf den Straßen der Hansestadt Hamburg, schmeichelt die Seele der Paradiesvögeln und Naiven der westlichen Welt. Wenn Kuba sich in der UNO auf die Seite der Schwulenhasser schlägt, spielt mein Land in einer ganz anderen Liga. Das hat mit dem großen Herz Marielas für die Schwulen nichts zu tun. In der großen Politik, auf internationalen Parkett gelten andere Prinzipien, da können wir keine Rücksicht auf einzelne Personen nehmen! Da zählt nur das Ganze, die Solidarität unter den Antiimperialisten. Das müssen wir Kubaner auch verstehen. Nichts ist komplizierter als die Dialektik!

  2. Dabei ist der Nest des Imperialismums, die Streitkräfte der USA, auch Schwullenhasser No. 1

    Mariela war vor 2. Monaten in Hamburg. Sie hat zugegeben, das sie in der FAR hat bisher nichts erreicht.

  3. Man ewähne noch Saudi Arabien den grossen Vebündeten der USA , wo die drakonischten Strafen der Islamischen Welt vom Staats wegen durchgeführt werden, gegen Andersdenkende, Homossexuelle, unw., alles unter dem Deckmantel des sunnitischen Islamismus und den Augen der USA.
    Wie heißt es in dem Fall ? Heuchlerei? Doppelmoral? Ach nein, in dem Fall heißt es Diplomatie.

  4. Bleibt die Frage warum sich Yoanni so ereifert. Geht es ihr am Ende gar nicht um die Schwulen an sich, sondern wie sich das Thema politisch ausschlachten lässt? Dafür sprich das Bild der Gehängten. Was will uns die Autorin damit sagen? Dass sie schlecht geträumt hat und dass am Malecón demnächst Schwule aufgehängt werden, wenn bald nichts passiert?

  5. Das habe ich mich auch gefragt, algabony
    Eine kubanische bloggerin zeigt, zur Freude der US-Propaganda, ein foto aus… Iran.

    Iraner haben es leichter zum Internet, können doch selbst über ihre Probleme berichten.

  6. Yaoni will nur darauf aufmerksam machen, dass Kuba im gleichen Boot sitzt wie Ländern, die so etwas Monströses im 20. Jahrhundert noch tun. Weiter nichts. Ist das wirklich so schwer zu begreifen?

  7. Kuba hat sich in diesem Fall mit Mächten zusammengeschlossen, die teilweise noch in der Steinzeit leben (untreue Frauen werden gesteinigt, Dieben die Hand abgehackt, etc.). Kuba meint eben dazuzugehören – geistig betrachtet.
    Die Moral korumpiert und tötet die Liebe.
    Und damit man versteht, was das heißt, zeigt Yoani uns ein Foto von zwei Menschen, die ihre Liebe mit dem Tode bezahlen mußten. Ganz solidarisch formuliert:

    “Diese zwei gehängten Schwulen – wo auch immer – sind zwei zuviel!”

    Scheiß`was auf die Ideologien der Staaten und ihrer Propaganda.

    Die Würde des Menschen ist unantastbar.

  8. PS. Mariela Castro hat sich entschieden ihre sexuelle Orientierung um ihrer Machtposition willen zu verraten. Sie ist wie (fast) alle anderen Kubaner: sie opfert ihre Individualität zugunsten der einer kontrollierenden, angsterzeugenden Militärdiktatur. In Kuba sind sie alle Opfer und Täter ihrer (täglichen) Realität.
    Nur wenige riskieren mehr. Danke Yoani für deinen Mut!

  9. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus.Ist doch Raul Castro gestern anlaesslich des juedischen Feiertags Chanuka in er juedischen Gemeinde in la Habana erschienen und mit einer Kipa auf dem Kopfe endzuendete er eine Kerze zur Feier dieses Tages und erklaerte ungefaehr dass alle Ideen interessant sind und sich daraus das Gute entwickelt auch dass er sich sehr gesund fuehle.Wie reimt sich das alles zusammen.der erklaerte Kommunist und Ateist wird ploetzlich fromm und tut sich mit allen Religionen zusammen.Ich denke das Wasser steht denen ziemlich am Hals und sie suchen Hilfe von allen Seiten.Also etwas Positives, oder’?? Diesbezuegl.video bei Aurora >Israel

  10. @heriberto
    Dabei ist Israel das einzige Land, das die US-Blokade unterstützt.
    Meint Raul, die Religionsführer Israels werden sich gegegen die Blockade wenden?
    Es wäre naiv seinerseits.

  11. Ich glaube es beginnt sich endlich was zu aendern und Claudia bekommt recht mit ihrer Prognose.Nachdem was passierte beginnt sich Raul von dem schrecklichen Schatten seines grossen Bruders zu trennen.Er ist wie man sieht pragmatischer und sagt endlich: So geht es nicht weiter!!Wird er der neue Gorbatschow??Fuer die Kubaner wird es allerdings in Problem werden:Endlich werden sie arbeiten muessen!!

  12. Granma deutsche Ausgabe schreibt aktuell zum Thema Ausbau der Telekommunikation durch Verlegung des Glasfaserkabels von Venezuela:
    “Das Unterwasserkabel wird eine höhere Qualität der Kommunikationen ermöglichen, wird aber nicht unbedingt deren wesentliche Ausweitung bedeuten”. Man könnte auch einfacher schreiben als die Granma: Das Kabel wird den Kubanern kein Plus an Informationsfreiheit geben sondern den bisher Privilegierten ihre Privilegien aufpolieren, die Preise werden astronomisch steigen.

  13. @heriberto
    mach uns keine Angst mit dem Gorbatschow. Der Mann war ein Versager, a failure, un fracaso. Ist auch in Russland gehasst, nur Deutsche loben ihn, weil sie beschenkt worden sind, gegen russische Interessen.

    Nachster Präsident Kubas ist heute ein Oberst im Generalstab des FAR, kauft Ersatzteile für die Helikopter und mus das Geld mit 10 Hotels unter seiner Regie erwirtschaften.

    Das ist meine Spekulationsprognose. Habt ihr bessere?

  14. Die Symptome sind so vielfaeltig und widerspruechlich so dass man sich fragt: Die wollen uns wohl meschugge machen! Sie hoffen das die Opposition sich Hoffnung macht oder auch dass sie schlappmacht und aufgibt!Aber die harten Tatsachen gehen weiter und man darf nicht aufgeben und darf die >Nerven nicht verlieren, Bin gespannt was Ernesto zu der ganzen Sache zu sagen hat.

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