Sommerferien

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Hundert Tausende von Kubanern sind in den Sommerferien. Unter ihnen die Studenten, die fast zwei Monate bis zum September genießen können. Die sommerliche Pause tritt zu einem Zeitpunkt mit den höchsten Temperaturen ein und alle Analysten glauben, dass die soziale Druckwelle ihren Höchstwert Anfang August erreicht. Die Kombination von Hitze, Mangel und Ferienbeginn irritiert besonders die Erwachsenen, die davon träumen, ihre Familie gut gekühlt, gut ernährt und ruhig zu halten. Viele Eltern sehen sich gezwungen, aufzuhören zu arbeiten, weil sie niemanden haben, denen sie die Kinder überlassen könnten. In den meisten Betrieben sinkt die Produktivität im Juli und August.

Der Sommer lockt zum Strand, besonders auf einer schmalen Insel, wo die Küste an der breitesten Stelle weniger als Hundert Kilometer entfernt ist. Aber ein Bad im Meer bringt auch einige Schwierigkeiten mit sich, besonders wegen der Frage: Wie komme ich hin? Außerdem entdecken wir, einmal angelangt und im Sand ausgestreckt, dass die meisten gastronomischen Angebote in Pesos Convertibles bezahlt werden müssen. Das betrifft auch die Sonnenschirme.

Die Langeweile führt uns früher oder später zu den Ecken der Wohnung, die repariert werden müssen. Jener wackelnde Stuhl, der halb verstopfte Abfluss der Spüle, die Steckdose, die Funken sprüht, der alte Wäscheständer, der das Gewicht der nassen Wäsche nicht mehr aushält und die Kloschüssel, die einen Sprung hat. Schließlich die vielen Winkel, die sich im Laufe der Zeit abnutzen und denen wir Zeit widmen müssen, sobald wir einige Tage frei haben. So kommt es, dass man die Arbeitskollegen mehr von den Schwierigkeiten bei der Reparatur der Küchenlampe reden hört, als vom warmen Wasser der Karibik.

Übersetzung: Iris Wißmüller
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2 Gedanken zu „Sommerferien

  1. Morgen fahre ich für eine Woche an die Ostsee. Diese grauen Strände, wo das Wasser sich wie aus dem Kühlschrank anfühlt, habe ich im Laufe der Jahre lieben gelernt. Als ich – das muss vor ca. 20 Jahren gewesen sein – die Ostsee zum ersten Mal sah, habe ich wie ein Kind gefragt: ist das Meer krank? Warum ist dieser Strand so farblos grau?

    Die Ostsee, die ich heute so liebe, hat mit dem Strand meiner Kindheit nichts zu tun. Der Strand meiner Kindheit war blau, unglaublich blau, türkisblau nach Laune und Lichteinfall. Dort gab es keine Algen, keine Fische und auch keine Quallen. Ein Strand wie aus Plastik, könnte man sagen. Es gab Tage, an denen wir Kinder nicht nur unsere Zehen im kristallklaren Wasser sehen konnten. Auch die Sandkörner konnten wir erkennen. Wenn sie nicht so viele gewesen wären, hätten wir sie zählen können.

    Der Strand meiner Kindheit hieß Varadero. Dort gab es so gut wie keine Hotels, und Touristen – abgesehen von einer Handvoll Romantiker aus dem Westen, die sich dahin verirrt haben – gab es dort auch nicht. Die Hotels, die vor der Revolution für die Mittelklasse und Oberschicht Kubas vorgesehen waren, standen in den 60er Jahren uns allen offen. Sie waren ziemlich ramponiert und hatten außer einer kaputten Toilette im Foyer und einer Cafetería voll lästiger Fliegen auf der Terrasse nichts zu bieten, aber sie waren für Kubaner zugänglich und mit unseren Pesos bezahlbar.

    Es war nicht einfach damals einen Urlaubsplatz in Varadero zu bekommen. Dafür haben meine Eltern jedes Jahr alle ihre Beziehungen in Bewegung gesetzt. Am Ende hieß es immer: wir fahren 10 Tage nach Varadero. Die Freude war unbeschreiblich, denn bis zum Schluss wusste keiner, ob es auch dieses Jahr klappen wird … Dort angekommen durften wir Kinder den ganzen Tag mit Mutter und Tante unbekümmert baden, während mein Vater seinen Urlaub mit Schlangestehen vor dem Reservierungsbüro verbrachte. Jedes Jahr machte er zu seiner Urlaubsaufgabe, eine 7-tägige Verlängerung unseres Aufenthalts in Varadero organisiert zu bekommen. Soweit ich mich erinnern kann, klappte es immer. Wir wussten es: Papi wird das schaffen, auch dieses Jahr! Wir verließen uns darauf und das machte seine Arbeit nicht einfacher. Gott, was war das für ein lieber Vater!

    In den 70er Jahren wurde es schwieriger für ihn und in den 80er kaum machbar. Die Hotels wurden zum Ende meiner Kindheit eins nach dem anderen renoviert und die ersten Touristen entdeckten Varadero. Uns blieb nur einen aus den Resten eines Überlandbusses gebastelten Wohnwagen zu bewohnen, am Rande von Varadero, da wo die Touristen uns nicht sehen konnten … So wurde unser Lebensraum, der von den einfachen Kubanern, erheblich enger, so eng wie die Küche meiner Mutter in dem winzigen Wohnwagen … Plötzlich standen vor jedem Hotel Männer in Uniform, die uns von Weitem als Kubaner erkannten und den Eintritt in die Hotels unserer Kindheit verweigerten. Manchmal wollten wir nur einfach rein, das Hotel wieder sehen, an der Terrasse, wo wir als Kinder tobten, ein bisschen verweilen und die alten Tage in der Erinnerung passieren lassen. Nichts zu machen! Die Hotels wurden uns fremd, unerreichbar, wir fühlten uns rausgeschmissen aus Orten, die uns ans Herz gewachsen waren. Irgendwann hatten wir es begriffen: diese Orte haben mit uns und unserer Kindheit nichts mehr zu tun, wir sollten sie nie wieder betreten, denn dort werden wir, allein wegen unserer einfachen Erscheinung, nicht mehr gemocht. Wir sind bloß Kubaner und die Revolution ist längst vorbei!

    Heute, wenn ich als deutscher Tourist Varadero besuche, sehe ich keinen Grund, warum ich mir die Hotels meiner Kindheit noch ein Mal ansehen sollte. Ich könnte es, aber warum? Die Gebäude sind zum Teil noch da, aber die Hotels heißen anders, und in ihnen campiert ein Geist, der mit meinen Kindheitserinnerungen nichts, absolut nichts mehr zu tun hat.

  2. Viele Touristen haben die Apartheid auch satt. Sie wollen im Urlaub die Menschen kennenlernen, nicht nur den Sand.

    Rechtlich wurde die Apartheid zwar vor 2 Jahren abgeschafft. Und eine neue entstand: zwischen den reichen und den armen. Nicht der Pass, die Gelbörse entscheidet.

    Wo ist die Revolution geblieben?

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