Ohne Fanfaren, aber auch ohne Ergebnisse

26julio1

Der Festakt zum 26. Juli begann früh, um einerseits die abendlichen Regenschauer zu umgehen und andererseits die Sonne zu meiden, die ein Brennen im Nacken und andere Unannehmlichkeiten fürs Publikum hervorruft. Es war eine dieser Feierlichkeiten, die bereits zu dem kubanischen System gehört: schwerfällig, veraltet, zeitweise verstaubt. Nichts schien vom Drehbuch abzuweichen, außer dass Raúl Castro nicht aufs Podium stieg und sich nicht an eine Nation wandte, die auf ein Programm der Veränderungen wartete. Seine Abwesenheit am Mikrofon darf man nicht als Intension verstehen, Zuständigkeiten zu dezentralisieren und jemand anderem zu erlauben, bei einer solchen Gedenkfeier zu Wort zu kommen. Der General sprach nicht, da er nichts zu sagen hatte, er gab kein Reformpaket heraus, da er weiß, dass er damit seine Macht riskiert, die Kontrolle, die seine Familie über fünf Jahrzehnte ausgeübt hat.

In den früheren Reden zum selben Datum haben die Sätze des zweiten Sekretärs der Kommunistischen Partei Kubas oft mehr Verwirrung als Gewissheiten geschaffen. Also vermied er es dieses Mal, dass die Analysten der einen oder anderen Seite seine Rede neu interpretierten. Seine Prophezeiungen im Jahr 2007 über den massenhaften Zugang zur Milch, die gescheiterte Prognose über eine nicht gelungene Fertigstellung des Aquädukts von Santiago de Cuba und der unglückliche Satz: „ich bin nur ein Schatten“, mit dem er letztes Jahr seine Rede begann, brachten bereits genug Zweifel. Vielleicht hat er es auch deswegen vorgezogen, zu schweigen und die Ansprache dem fortschrittsfeindlichsten Mann seiner Regierung zu überlassen: José Ramón Machado Ventura. Einige Warnsalven der Artillerie erschütterten die Stadt von Havanna genau in dem Moment, als der Erste Vizepräsident sich der Tribüne näherte und seine von Gemeinplätzen und unnachgiebigen Äußerungen strotzende Ansprache begann.

In Bezug auf die dringend notwendigen Maßnahmen in Wirtschaft und Gesellschaft, erklärte Machado Ventura, dass diese „Schritt für Schritt in einem Tempo, das wir bestimmen“ ausgeführt werden. Das alte Täuschungsmanöver mit der ersten Person Plural, die bekannte Mehrdeutigkeit des offensichtlich Beschlossenen. Das Tempo, die Geschwindigkeit und die Tiefe dieser herbeigesehnten Öffnungen wird in einer kleinen Gruppe entschieden, die viel zu verlieren hat, wenn sie diese anwendet und Zeit zu gewinnen hat, wenn sie diese verzögert. Manche werden sagen, dass das Schweigen von Raúl Castro zu seiner Strategie gehört, nicht zu viel Aufsehen zu erregen. Doch das Verhalten von heute ist weniger politische Diskretion, als vielmehr reine staatliche Geheimnistuerei. Keine öffentlichen Versprechungen in Bezug auf Veränderungen zu machen, sich nicht in eine Abfolge von Umgestaltungen zu verwickeln, soll uns vielleicht vermitteln, dass mögliche Veränderungen nicht ihrem politischen Willen entsprechen, sondern einer momentanen verzweifelten Lage, die seiner Meinung nach vorbeigehen wird. Indem er sich nicht geäußert hat, hat er uns seine vollständigste Nachricht übermittelt: „ich schulde euch weder Erklärungen, noch Versprechungen, noch Ergebnisse.“

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