In eigener Sache

Wir übersetzen seit einigen Tagen auch Yoanis Twitter. Siehe dazu rechts die braune Spalte. Gerade jetzt sind die Einträge hoch spannend.

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2 Gedanken zu “In eigener Sache

  1. Beim Frühstück schlage ich meine regionale Tageszeitung auf und eine Überschrift lädt mich zum Weiterlesen ein: „Tauwetter in Havanna: 52 Dissidenten werden freigelassen“ Wenn so eine Nachricht die deutschen Medien durchdringt und sogar meine Provinz erreicht, muss es sich um etwas Wichtiges handeln, um etwas Offizielles, um eine Tatsache, die außer Diskussion steht.

    Doch wie ich schon ahnte, die Berichterstattung in meiner Tageszeitung war lediglich eine Berichterstattung. Vergeblich suchte ich nach einer Positionierung des Journalisten, nach einer tiefgründigen Erklärung von dem, was gerade in meinem Land passiert.

    Meine regionale Tageszeitung hat keinen Reporter auf Kuba – das ist mir klar. Diesen Artikel hat sie bestimmt über eine große Presseagentur bezogen, so wie viele andere Tageszeitungen in Deutschland. Möglicherweise hat meine Freundin in Bayern oder ein Unbekannter in Düsseldorf den gleichen Beitrag gelesen. Darum halte ich für wichtig, meinen Senf (oder besser den Senf der regierungskritischen Kubaner) dazu zu geben.

    Die letzten Tweets von Yoani sind für mich richtungsgebend. Ich resümiere sie auf meine Art:

    - Wir begrüßen die Freilassungen, warnen aber gleich vor voreiligen Optimismus. Der repressive Apparat, der die Meinungsfreiheit im Land stranguliert muss abgeschaffen werden. Sollten die Freilassungen ein Anfang sein, dann seien sie willkommen. Aber wir bleiben erstmal skeptisch. Gründe dafür gibt es mehr als genug.
    - Darum scheint mir die Überschrift meiner Provinzzeitung eindeutig übertrieben. Tauwetter auf einer karibischen Insel klingt natürlich sensationell, ist aber leider nur eine Überschrift.
    - Die 52 Freilassungen interpretiere ich als reiner Opportunismus der letzten Stunde. Raúl Castro muss die Bude halbwegs in Ordnung bringen, bevor die Beerdigung von Farinas in diesen heißen Sommertagen losgeht.
    - Die Freilassungen senden keine politischen Signale weder an Washington noch an die kubanische Opposition. Es handelt sich hier um einen gut überlegten Schachzug mit einem klaren wirtschaftlichen Hintergrund. Man sendet damit ein Signal nach Europa. Mit Hilfe des spanischen Außenministers Muratinos und des Vatikans, versuchen die Castros der Europäischen Union eine Lüge zu verkaufen, um mitten in der Krise Hilfe zu erhalten. In Kuba ist kein Tauwetter in Sicht und der Eiserne Vorgang schmilzt lange noch nicht. Die Castros handeln mit falschen Münzen, mit einem Demokratisierungsprozess, der nur Schein ist.
    - Die Freigelassenen werden als Schein, als harte konvertible Währung eingesetzt. Weiter nichts. Sie zählen quasi zu den Divisen des Landes. Nicht umsonst werden ca. 100 politische Gefangene behalten, praktisch als eiserne Reserve für noch härtere Tage. Damit kann man ganz gut handeln, wenn das Wasser wieder paar cm hochsteigt …
    - Ganz wichtig: die wahren Helden, die richtigen Akteure dieses Prozesses sind einfache Kubaner: Zapata Tamayo, die Damen in Weiß und Farinas, der mit seinem Leben dafür zahlen wird. Trotzdem danken wir der kubanischen katholischen Kirche, und auch Muratinos. Einer musste dabei vermitteln und das haben sie gut gemacht.

  2. Hervorragende Einschätzung von Ernesto die ich nur teilen kann. Spanien, wirtschaftlich sehr herausgefordert zur Zeit, hat wirtschaftliche Interessen an Kuba, und die katohlische Kirche braucht wieder gute Schlagzeilen in Europa nach den Missbrauchsskandalen.
    Die Freilassung ist ein Sieg und ein Segen für die Freigelassenen aber die politische Verwertung ist augenscheinlich, es ist kein Akt von neu gefundener Menschlichkeit der Castros, kein Umdenken. Die Europäische Union und die USA sollten den Druck jetzt erhöhen und auf systemische Veränderungen bestehen. Nicht den Fehler begehen und das falsche Spiel mitspielen.

    Ich frage mich wie das Regime diese Freilassungen dem Volk verkauft, schliesslich gibt es laut dem Regime offiziel keine Politischen Gefangenen auf Kuba.

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