Das Flugzeug von Moratinos

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Foto: cubamatinal.es

In diesen Tagen wird viel über die mögliche Freilassung politischer Gefangener spekuliert. Die offizielle Presse, wie immer dösend zwischen Wachstumszahlen und alten, aus dem Archiv gekramten Reden, bestätigt diese Gerüchte nicht, noch dementiert sie sie. Durch das gründliche Lesen der Zeitung „Granma“, erfährt man, dass der spanische Außenminister angereist ist, um das Embargo der Vereinigten Staaten zu verurteilen, über den Klimawandel zu sprechen und zu versuchen, die gemeinsamen ablehnende Haltung der Europäischen Union gegenüber der Regierung Kubas zu beenden. Wenn man sich davon mitreißen lässt, was die Sprecher mit gewichtiger Stimme und gestreiften Krawatten sagen, passiert hier gar nichts… oder fast nichts. Aber wir alle wissen, dass sich in der dunklen Zone der Diplomatie etwas bewegt, in diesem Bereich der hohen Politik, die hinter dem Rücken des Volkes geschmiedet wird.

Das Flüstern kommt und geht. Dabei hat sich zu dem Wort „Freilassung“ der hässliche Begriff „Ausweisung“ gesellt. „Sie werden das Gefängnis direkt in Richtung Flugzeug verlassen“, sagte mir ein Herr, der seine Zeit am Radio verbringt und den verbotenen Sender aus dem Norden hört. Die zwangsweise Expatriierung, die Vertreibung, das Exil, das alles sind gängige Praktiken, um sich der Unzufriedenen zu entledigen. „Wenn es dir nicht passt, dann geh“, wiederholen sie einem von Kindheit an. „Los, hau ab“, werfen sie dir an den Kopf, wenn du dich mit Nachdruck beschwerst. „Warum bist du zurückgekommen?“, erhältst du als Begrüßung, wenn du es wagst, zurückzukehren und auch weiterhin kundtust, was dir nicht gefällt. Sich von unbequemen Personen zu befreien und Oppositionelle von der Inselplattform herunter zu stoßen, das sind Fertigkeiten, die unsere Regierenden wirklich beherrschen.

Das Flugzeug von Moratinos müsste sehr groß sein, um all diejenigen wegbringen zu können, die den Herrschern des Hofes im Wege stehen. Nicht einmal ein Jumbo-Jet würde ausreichen, um diejenigen wegzuschaffen, die aufgrund ihrer Ideen oder ihres bürgerlichen Engagements das potentielle Risiko haben, ins Gefängnis zu kommen. Eine regelrechte Luftlinie mit wöchentlichen Flügen bräuchte man, um die Leute herauszuholen, die mit der Führung Raúl Castros nicht einverstanden sind. Doch es stellt sich heraus, dass viele von uns nicht gehen wollen. Denn die Entscheidung, hier oder da zu leben, ist etwas so persönliches, wie das Aussuchen seines Partners oder die Namensgebung des eigenen Kindes. Man kann nicht zulassen, dass so viele Kubaner sich zwischen der Gefängniswand und der drohenden Verbannung befinden. Es ist unmoralisch, die Menschen, die in den nächsten Tagen möglicherweise befreit werden, zur Auswanderung zu zwingen.

Eine einfache und logische Frage stellt sich, wenn wir an dieses Thema denken: wäre es nicht besser, in diesem Flugzeug eher „die“ wegzubringen?

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