Cabot

medalla

Foto: Medaille des Cabot-Preises

Vor Jahren habe ich mich abrupt von der Welt der Akademiker und Intellektuellen abgewandt, angewidert davon, so oft eine Maske vor den Gesichtern meiner Professoren und Mitstudenten zu sehen. Heute beginnt meine Reise zurück in den Bereich der Universität in Form der besonderen Erwähnung beim María-Moors-Cabot-Preis * für Journalismus, den mir die Columbia-University* verliehen hat. Ein Preis, den ich – neben anderen Dingen – für meine Ablehnung erhalten habe, diese “kultivierte” Komplizenschaft mit zu tragen, welche in den kubanischen Geisteswissenschaften zu entdecken mich so sehr frustrierte.

Indem ich einer Gelehrtheit der Bücher – fern der Realität – entkam, war ich im anderen Extrem angekommen: dem der Schaltkreise und des Binärcode. Es gibt jedoch Wege, die uns immer wieder an den gleichen Ort führen, und die bewirken, dass eine abtrünnige Philologin wieder die Gewohnheiten der Akademie annimmt. Insbesondere wenn diese Rückkehr in die Welt der Roben und Diplome deshalb erfolgt, weil ich mich im Cyberspace wie eine freie Person verhielt.
Ich denke, ich werde das Ansehen und den Schutz, den der Cabot-Preis mit sich bringt, dafür nutzen, die kubanische Blogger-Szene weiter wachsen zu lassen. Das alternative Treffen*, das uns jede Woche vereint, ist an einem Punkt angekommen, an dem es eine echte Blogger-Akademie werden muss. Da ich, um dieses Projekt durchzuführen, nicht auf die Erlaubnis warten will, eine Schule für digitalen Journalismus eröffnen zu dürfen, werde ich damit beginnen, auch wenn ich mich damit am Rande der Legalität und von bürokratischen Formalismen bewege. Die Auszeichnung, die ich heute erhalten habe, kann dazu beitragen, dass hier eine neue Art von Bildung entsteht, ohne ideologische Bedingungen, ohne jene hässlichen Masken, die mich einst der akademischen Welt den Rücken kehren ließen.

Übersetzung: Werner Jäckle

Anmerkung der Übersetzer:
*Cabot-Preis: renommierter internationaler Preis für unabhängigen Journalismus, vergeben in Latein- und Nordamerika für die Förderung des Verständnisses zwischen USA, Lateinamerika und Karibik. Es gibt Preisträger und besondere Erwähnungen.

*Columbia-University für Journalismus in New York, die auch den Pulitzer-Prize vergibt.

*alternatives Bloggertreffen: wöchentliches Treffen von Bloggern an wechselnden Orten von Kuba. Yoani gibt Unterricht im Umgang mit Word-Press und fördert damit die Bloggerszene auf Kuba.

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Ein Gedanke zu „Cabot

  1. felicidades.

    Der Kapitalismus … trennt die Effektiven von den Ineffektiven. Wenn Bill Gates ab morgen keinen klugen Gedanken mehr hat, kann er in fünf Jahren seinen Laden dichtmachen. Fidel Castro hatte in seinem ganzen Leben noch keinen einzigen klugen Gedanken, aber ist trotzdem noch am Ruder.

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