Tschüs den Schulen auf dem Land

gallo

Die Idee, in den Voruniversitätsschulen* das Lernen mit Arbeit zu verbinden, erschien auf dem Papier sehr gut. Sie brachte etwas von dem frischen Wind unvergänglicher Zukunft in jenes Büro, wo die Idee in eine ministerielle Verordnung umgewandelt wurde. Aber die Realität – so starrköpfig wie immer – machte daraus ihre eigene Umformung der Schulen auf dem Land. Die Tonerde, die man aus Liebe zur Furche zu formen versuchte, bestand aus jungen Leuten, die – zum ersten Mal – fern der väterlichen Kontrolle auf Wohn- und Ernährungsbedingungen stießen, die stark von ihren Erwartungen abwichen.

Ich, die ich der „neue Mensch“ hätte sein müssen und doch nur mit Mühe ein „guter Mensch“ werden konnte, machte meine Ausbildung auf einer dieser Stipendienstellen in der Kleinstadt Alquízar in der Provinz Havanna. Ich kam mit 14 Jahren dort an und verließ den Ort mit einer Hornhautentzündung, einem Leberschaden und einer Härte, die man erwirbt, wenn man zu viel gesehen hat. Bei der Einschreibung glaubte ich noch an die Märchen vom Arbeitsstudium; beim Abgang wusste ich, dass viele meiner Schulkameradinnen Sex gegen gute Noten tauschen oder eine Übererfüllung bei der landwirtschaftlichen Produktion vorweisen mussten. Die kleinen Salatpflänzchen, die ich jeden Nachmittag entkrautete, hatten ihren Gegenpart in einer Herberge, in der Rowdytum herrschte, mangelnder Respekt vor der Privatsphäre und das harte Gesetz des Stärkeren.

Just an einem von jenen Nachmittagen, nach drei Tagen ohne Wasser und mit dem sich wiederholenden Gericht aus Reis und Kohl, schwor ich mir, dass meine Kinder nie auf eine Voruniversität auf dem Land gehen würden. Ich machte das mit der Wut des jungen Menschen, die sich – mit den Jahren – abmildert und uns die Unmöglichkeit, bestimmte Versprechen zu erfüllen, erfahren lässt. So gewöhnte ich mich an den Gedanken, Essenskörbe füllen zu müssen, wenn Teo auf einer solchen Schule wäre, hören zu müssen, dass sie ihm die Schuhe gestohlen hätten, dass er in der Dusche bedroht worden sei oder dass ein größerer ihm das Essen weggenommen habe. All diese Bilder, die ich erlebt hatte, kehrten wieder, als ich an die Internatsschulen dachte.

Zum Glück scheint das Experiment zu Ende zu gehen. Die geringe Produktivität, die Ansteckungsgefahr, der Verlust von ethischen Werten und das niedere akademische Niveau haben diese Ausbildungsmethode zum Scheitern gebracht. Nach Jahren von wirtschaftlichen Verlusten, da die Schüler mehr verbrauchten, als was sie aus der Erde herausholen konnten, kamen unsere Autoritäten zu der Überzeugung, dass der beste Platz für einen Jugendlichen an der Seite seiner Eltern ist. Leider haben sie das baldige Ende dieser Schulen verkündet, ohne sich öffentlich bei uns zu entschuldigen, die wir Versuchskaninchen eines gescheiterten Experiments waren; bei uns, denen die Voruniversitätsschulen auf dem Land einen Teil ihrer Träume und ihrer Gesundheit geraubt haben.

Anmerkung der Übersetzerin:

*preuniversitario (3 Jahre) entspricht bei uns der Oberstufe des Gymnasiums

Übersetzung: Iris Wißmüller / iris.wissmueller@gmx.de

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