Sozialarbeiter: Das Vergängliche an organisiertem Aktionismus

Das "Superministerium für den Kampf der Ideen hat auch viel von seiner Heldenrolle eingebüßt
Foto: Das “Superministerium” für den Kampf der Ideen hat auch viel von seiner Heldenrolle eingebüßt.

Mit ihren roten Pullovern erschienen sie eines Tages in meinem Viertel, um alte nordamerikanische Kühlschränke und sowjetische Klimaanlagen zu inventarisieren. Sie kamen, ausgestattet mit voller Machtbefugnis, und eines frühen Morgens strömten sie auch in die Tankstellen in einer Operation, die dem illegalen Verkauf von Benzin ein Ende machen sollte. Es waren junge Leute, die nicht auf die Universität gehen konnten und ein Plan – geschmiedet auf den obersten Instanzen – verwandelte sie in eine Truppe, die zu jeder beliebigen Aufgabe bereit war, unter dem Versprechen eines Arbeitsplatzes im Bereich der höheren Lehre. Man teilte ihnen eine Kleiderordnung zu und sie begannen, durch das ganze Land zu ziehen in gerade gekauften chinesischen Omnibussen, brandneu und beeindruckend. Ihre Autorität, die es ihnen erlaubte in jedes Firmenzentrum zu gelangen und Rechnungen zu verlangen, eine Wirtschaftsprüfung zu machen und sogar Angestellte auszutauschen, brachte ihnen den alarmierenden Spitznamen „die Kinder des Kommandanten“ ein.

Einige von ihnen traten frühzeitig vom zehnjährigen Vertrag zurück, den sie unterschrieben hatten, und für sie war der Abschied schwierig und ein Makel in ihrer Personalakte sicher.
Sie tauschten die Glühbirnen in der Caracas-Straße aus und kontrollierten ebenso die Verkäuferinnen eines Geschäftes mit tauschbarer Währung. Sie waren die neuen Augen der Macht unter uns und dennoch gehörten sie der Generation an, die am meisten von der Sonderperiode, der doppelten Währung und dem verblassenden Mythos betroffen war. So wurde es allmählich normal zu beobachten, wie sie Unverfrorenheit mit Gehorsam und Parolen mit Worten des Überdrusses vertauschten. Ihr Glanz war so kurzlebig, wie der melierte Stoff der Hose, die man ihnen am Anfang ihrer Arbeit zugeteilt hatte.

Heute werden sie kaum noch erwähnt. Auch wenn es nicht verkündet wurde, dass die Sozialarbeiter abgeschafft worden sind, scheint es zumindest, dass ihrer Arbeit der Inhalt abhanden gekommen ist. Es gibt keine Elektrokochtöpfe mehr zu verteilen, keine Umfragen mehr zu machen über die Meinung des Volkes und es scheint, dass die enorme materielle Infrastruktur aus Gasthäusern, Snacks und Omnibussen, die ihre harte Arbeit unterstützte, nicht mehr weiter garantiert werden kann. Selten treffe ich noch einen auf der Straße, aber diejenigen, die ich sehe, umgibt nicht mehr diese Aura von Arroganz, noch zeigen sie ihre früheren Posen der Zugehörigkeit zu einer Elitegruppe.

Übersetzung: Iris Wißmüller / iris.wissmueller@gmx.de