Kübel und Kännchen

Unter dem Waschbecken ruht der Plastikeimer, mit dem sich die ganze Familie wäscht. Vor mehr als zwanzig Jahren sind die Leitungen zusammengebrochen, und um die Toilette zu benutzen, muss das Wasser aus einem Tank im Hof geholt werden. Wenn der Winter kommt, bereiten sie – dank des aus zwei Kondensmilchdosen gebastelten elektrischen Heizgerätes – lauwarmes Waschwasser für sich. Keines der Kinder im Haus kennt das Gefühl, wenn ein Wasserstrahl auf seine Schultern fällt, denn Wasser gibt es nur einmal pro Woche. Niemand kann es – deshalb – mit Duschen verplempern.

Im Takt des Kännchens, das eintaucht und aufsteigt, reinigen sich die meisten Menschen, die ich kenne. Der Niedergang der Wasserleitungen und die exzessiven Preise für die Leitungen tragen das ihre zum erbärmlichen Zustand der Badezimmer bei. Jener intime und genussvolle Augenblick, der eigentlich das Waschen unseres Körpers sein sollte, wird für einen Großteil meiner Mitbürger zu einer Folge von Unannehmlichkeiten. Zum schlechten Zustand der Infrastruktur kommt noch hinzu, dass man zum Kauf von Shampoo und Seife eine Währung braucht, die sich von der unterscheidet, in der unsere Löhne gezahlt werden.

Juan Carlos und seine Ehefrau verstehen viel von Trockenperioden und durchwachten Nächten vor den Wasserleitungen. Zu ihrem Haus kommt das kostbare Nass alle sieben Tage, und der Druck reicht nur aus, dass es aus einer ebenerdigen Leitung fließt. Für dieses Paar sind Kübel und Kännchen unentbehrliche Werkzeuge, ohne die sie weder kochen noch waschen oder das Haus putzen könnten. So viele Jahre ohne einen Wasserhahn aufdrehen zu können und sich die Hände abzuspülen haben sie gezwungen, ein System zu entwickeln, das sie uns heute mit diesen Bildern erkläre. Es ist eine kurze Demonstration, die – wie mein schmächtiger Freund sagt – „zum Lachen anregt, aber was in unserem Land gerade passiert, das ist peinlich und tragisch“.

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

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2 Gedanken zu “Kübel und Kännchen

  1. Deutsch: Ich bin kubaner, aber meine Familie und Freunde sind alle deutscher. Ich finde gut, dass es dieser Blog auch auf Deutsch gibt. Dadurch können sich auch meine Leute über die “verborgene” Realität im Kuba informieren. Ich wünsche mir nur, dass es ihm immer aktuallisiert wird. Wir haben ein Blog der heißt: “Wir sind auch Kubaner”. Dort habe ich eure Adresse gelinkt, damit meine Freunde den Blog immer lesen können. Seit August 1988 habe ich Kuba, meine Camagüey, nicht mehr besuchen können. Einerseits habe ich Angst, anderseits muss ich mit ein kubanischen Pass einreisen. Nein, so nicht!

    Español: Soy cubano, pero mi familia y mis amigos son alemanes. Me alegro mucho de que vuestro blog exista también en alemán. Así mi gente también se pueden informar sobre la realidad ocultada en Cuba. Sólo me deseo que sea siempre actualizado. Tenemos un blog de restringido acceso en alemán que se llama: “Somos cubanos también”. Allí puse un Link de vuestra dirección para que mis amigos puedan entrar y leerlo siempre. Desde agosto de 1988 no he podido ir más a Cuba. Por un lado tengo mucho miedo y por el otro tengo que entrar con pasaporte cubano. ¡Qué va, así no!

  2. Hola paisano José Raúl!
    Mi nombre es María. Vivo en Berlín, hace 16 años. Salí de Cuba hace 22 como estudiante. Desde entonces no he vuelto. No tengo ningún miedo, pero es mi pequeña rebelión contra el régimen. No pisar la tierra mientras siga en las manos del oprobio. Además no voy a dar un centavo a esos asesinos dictadores…
    Dónde estás, me gustaría visitar tu Blog. Me alegra leer que hay cubanos valientes que hablan de nuestra dura realidad. También lo hago. Ojalá hayas visto la acción del 1 de Junio. Lo traduje al alemán. También te sugiero visitar el Blog de Aguaya Berlín DESARRAIGOS PROVOCADOS. Muy bello.
    Un saludo desde Berlín- Puedes escribirme a mares_marrero@yahoo.de

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