Harter Panzer

3cars

Die Toleranz gegenüber denjenigen, die sich – ohne Lizenz – als private Transportunternehmer verdingten, hatte schon zu lange gedauert. Zwei Jahre lang war dies die bemerkenswerteste und weitreichendste Flexibilisierung durch Raúl Castros Regierung, obwohl die ausländische Presse der Möglichkeit, einen Computer zu kaufen, einen Handyvertrag abzuschließen, sich in einem Hotel einzumieten oder für 10 Jahre die Nutznießung eines Stück Landes in Anspruch zu nehmen, mehr Aufmerksamkeit schenkte. Die Nachsicht gegenüber den „Boteros“* genannten Taxifahrern hatte auf unser tägliches Leben deutlich mehr Einfluss als die neuen Serviceleistungen, die nur in tauschbarer Währung zur Verfügung stehen, oder die gescheiterte Agrarreform.

Letzten Freitag zeigten sich in den Straßen meiner Stadt früh morgens nur wenige Sammeltaxis, da neue Bestimmungen verlangen, dass sie über eine Lizenz verfügen müssen. Ich verstehe, dass wirtschaftliche Aktivitäten die Pflicht zu Steuerabgabe und zu Inspektionen haben, die sie regeln, ich befürchte jedoch, dass diese Maßnahme die Mobilität von Tausenden Personen einschränken wird. Ich rede nicht von einer Oberschicht, die zehn Pesos zahlen kann – der Lohn eines Arbeitstages – um vom Zentrum Havannas ins Strandviertel zu gelangen; in diesen alten Autos bewegen sich Personen aus allen sozialen Schichten fort. Von dem Schüler, der pünktlich zu seinem Unterricht kommen muss, bis zum Rentner, der seine Enkel in Mantilla besuchen geht oder dem Musiker, der ein Konzert in einem Nachtclub gibt.

Die „Almendrones“** zeigen Qualitäten, über die der öffentliche Verkehr nicht verfügt: Zuverlässigkeit, eine hohe Frequenz und den Zugang zu allen Regionen des Landes. Diese klapprigen Autos waren die Zeugen von wiederholten Anläufen, um die Staatsbusse zu rehabilitieren, und haben auch miterlebt, wie diese nur kurzfristig wirksame Flickschusterei sich in Nichts auflöste. Sie haben das Verdienst, den strikten Kontrollen widerstanden zu haben, den obligatorischen Bestechungs-geldern, die einige Polizisten verlangen, den Einschränkungen beim Kauf von Ersatzteilen und den hohen Benzinkosten. Trotz alledem lassen diese eiförmigen Fahrzeuge ihre harten Panzer weiterhin durch die Stadt rollen. Hoffen wir, dass ihre hartnäckige Karroserie sie weiterhin vor Unfällen und den neuen Beschränkungen schützt.

Anmerkungen der ÜbersetzerInnen:

* Botero: Ein Kubanismus, der auf das Verb „botear“ zurückgeht, was wiederum den Transport von Passagieren beschreibt.
** Dt.: große Mandeln. Bezeichnung für die alten Autos der 50er-Jahre.

Übersetzung: Bettina Hoyer, Iris Wißmüller, Sebastian Landsberger