Der erste Tag im Mai

Gestern war ein sehr intensiver Tag. Es gab einen Aufmarsch am Morgen, einen Wolkenbruch am Nachmittag, und wir, ein paar Aufmüpfige, ließen um acht Uhr dreißig nachts die Töpfe scheppern. Die Menschenansammlung auf dem Plaza de la Revolución glich der jeden Jahres, der Regen war genauso nass, und das Scheppern der Töpfe und Pfannen klang wie die eigentümliche Sinfonie von einigen Wenigen. Ich bringe euch ein paar Fetzen von Bild und Ton mit, damit ihr den ersten Mai genauso erlebt, wie ich ihn gespürt habe … mit seiner ganzen Intensität und seinem Irrsinn.

Von meiner Terrasse aus war eine spärliche Reaktion auf die ersten Topfschläge zu hören, aber uns bleibt die Freude, dass man unsere ordentlich weit gehört hat. Eine kurze Telefonumfrage ergab, dass auch in der Stadt Pinar del Río der Metallklang vernommen wurde, während einige Stadtteile von Havanna sich in Stillschweigen hüllten. Das spärliche Geläut ging auf die Winzigkeit des verwegenen Individuums zurück und nicht auf den massenhaften Automatismus derer, die morgens aufmarschiert waren. Darauf läuft der Unterschied zwischen dem spontanen Piepsen und dem verordneten Gackern hinaus.

Jeder Funke fängt klein an, sagte ich zu jemandem, der mich nach dem Ausmaß dessen fragte, was gestern Abend passiert ist, und wenn man ein Werkzeug der Meinungsäußerung zum ersten Mal benutzt, dann tut man das vorsichtig. Als ich von dem Aufruf im Internet erfuhr, war ich mit etlichen Freunden darüber einig, dass die simple Geste, das Licht auszuschalten, eher machbar wäre. Auf die Pfanne zu hauen, bedeutet, sich zu sehr zu erkennen zu geben, und es gibt viele Leute, die noch Repressalien fürchten. Ein Haus zu verdunkeln ist etwas, das man tun kann, ohne unangenehm aufzufallen, und zu solchen Gesten ist unsere Bevölkerung bereit, mehr nicht.

Trotz der wenigen Töne, die zu hören waren, glaube ich, dass sich etwas in der Routine des Tags der Arbeitenden verändert hat. Es war nur ein zarter Klang von Konservendosen und Löffeln, der nach dem ersten Mairegen kam.

Anmerkungen der ÜbersetzerInnen:

* Vgl. Eintrag vom 23. April 2009: „Hauen wir auf die Pfanne“

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger