Aufmarsch und Epidemie

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Foto aus Yahoo Noticias México.

Die beiden Nachrichten folgten unmittelbar aufeinander, so widersprüchlich, dass sich selbst der Sprecher anstrengen musste, seine Verwirrung zu verbergen. In der ersten war die Rede von den Volksansammlungen demnächst am ersten Mai, während die zweite die Alarmbereitschaft angesichts der Bedrohung durch eine mögliche Schweinegrippeepidemie anordnete. Seit Dienstagabend ist im ganzen Land eine Reihe entsprechender Vorbeugungsmaßnahmen getroffen worden. Trotzdem wird weiter an dem Plan festgehalten, bei dem Aufmarsch am kommenden Freitag fast eine Million Menschen zu versammeln.

Meine Erfahrung mit Erkältungen und Grippebeschwerden sagt mir, dass eine Menschenansammlung der günstigste Nährboden für deren Ausbreitung ist. Die angekündigten Maßnahmen sollten – als Mindestvorsichtsmaßnahme – das Verschieben oder Absagen der Feierlichkeiten zum Tag der Arbeit einschließen. Ich möchte keine unnötige Aufregung schüren. Ich kenne niemanden, der sich angesteckt hat, und es wurde eine staatliche Erklärung verkündet, dass es keinen registrierten Krankheitsfall gibt. Aber ich erinnere mich, dass man uns über lange Zeit dasselbe sagte, bis schließlich zugegeben wurde, dass Aids nach Kuba gelangt war – ganz zu schweigen von der verheimlichten Anzahl derer, die sich jedes Jahr am Dengüefieber anstecken.

In aller Demut bitte ich die kubanische Regierung, ihr Vorhaben zu überdenken, gerade jetzt tausende von Menschen zu versammeln. Bitte weniger Sinn für Spektakel und einen besseren Schutz der Bevölkerung.

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger