Nicht unter Druck … und ohne Druck auch nicht

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Heute morgen haben einige von uns Freunden Edgar* begleitet, um seinen Widerspruch** gegen die Ablehnung seines Ausreisantrags einzulegen. Wenige Schritte vom Rechtsberatungsbüro entfernt ist der Hauptsitz der Ein- und Auswanderungsbehörde. Ich kannte den Platz, denn genau dort hatte ich vor einem Jahr eine ähnliche Beschwerde*** vorgebracht, die mit dem Ergebnis schloss, dass ich „vorläufig nicht reisen“ konnte. Uniformierte Beamte und schweigende Menschen, die auf die Revision ihres Falles warten, bilden die Szenerie dieser Außenstelle des MININT****.

Die gesammelten Unterschriften von Kubanern von hier und dort wurden der diensthabenden Beamtin übergeben. Diese bestätigte, dass die Behörden nun sechzig Tage Zeit haben, um den Antrag zu bearbeiten. Am Freitag hatten zwei Mitglieder der Abteilung 21***** Edgar „nahegelegt“, er möge darauf verzichten, an dem Ort zu erscheinen, wo wir heute hingegangen sind. Sie ließen durchblicken, dass – wenn er stillhalte – man ihm noch vor August die Reiseerlaubnis gewähren werde. Nach dem Hungerstreik dieses jungen Mannes könne die Migrationsbehörde – nach Aussage der besorgten Herren – nicht „unter Druck handeln“, da es so aussehen könne, als hätten sie sich gezwungen gefühlt, ihn ins Flugzeug steigen zu lassen.

Als ob es nicht das Allernormalste wäre, dass wir Bürger Druck machen und – als Antwort darauf – die Politiker ihr Handeln nachbessern. Genau dafür haben sie ihre Ämter, um – ein ums andere Mal – den Forderungen der Gesellschaft nachzugeben. Ist es denn nicht schon – von genügend Stimmen – gesagt worden, dass die Reiseerlaubnis von und nach Kuba abgeschafft werden muss? Was muss denn noch passieren, damit man uns dieses Recht nicht länger raubt?

Anmerkungen der ÜbersetzerInnen:

* Link zum spanischen Text in „Penúltimos días“, eine deutsche Übersetzung steht hier.
** Die deutsche Übersetzung steht hier.
*** vgl. Eintrag vom 30. 05. 2008, Nein, „zurzeit nicht“.
**** Innenministerium
***** Staatssicherheit

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger