Und, was jetzt?

futbol

Der Ball befindet sich, nachdem Obama ihn gestern mit der Ankündigung neuer Flexibilisierungen seiner Kubapolitik geworfen hat, auf kubanischem Terrain. Die Spieler der hiesigen Seite wirken etwas irritiert, unsicher, ob sie den Ball aufnehmen, ihn kritisieren oder schlichtweg ignorieren sollen. Der Rahmen könnte nicht besser sein: die Treue zur Regierung schien niemals mehr beschädigt, und der ideologische Eifer lag noch so am Boden wie jetzt. Darüber hinaus glauben nur wenige noch das Märchen vom mächtigen Nachbarn, der kommen wird, um uns anzugreifen, und die Mehrheit meint, dass diese Konfrontation schon zu lange angedauert hat.

Beim nächsten Spielzug ist die Regierung von Raúl Castro an der Reihe, aber ich ahne, dass wir sehr lange auf ihn warten werden. Man sollte „politische Meinungsunterschiede entkriminalisieren“*, wodurch – umgehend – die langen Gefängnisstrafen derjenigen hinfällig würden, die für Meinungsvergehen bestraft worden sind. Der Ball, von dem wir uns wünschen, dass er ihn werfen würde, ist das Eröffnen von Räumen für die Initiative der Bürger, das Erlauben freier Zusammenschlüsse und – in einem Akt von höchstem politischem Anstand – das zur Verfügung Stellen seines Amtes in echten öffentlichen Wahlen. In einem verwegenen Sprung über das Spielfeld müsste es „der ewige Zweite“ wagen, etwas mehr als einen Ölzweig zu reichen. Wir hoffen, dass er die Reisebeschränkungen abschafft, dass er jenem erpresserischen Handel ein Ende setzt, zu dem die Erlaubnis zur Ausreise bzw. zur Rückkehr auf die Insel, geworden sind.

Das Spiel würde an Dynamik gewinnen, wenn man dem kubanischen Volk den unberechenbaren Ball des Wandels überlassen würde. Viele von uns würden den Ball (mit dem Baseballschläger, Einfg. der Übers.) schlagen, damit die Zensur endet, die staatliche Informationskontrolle, die Vergabe bestimmter Arbeitsplätze nach Linientreue, die Indoktrinierung im Bildungswesen und die Bestrafung der Andersdenkenden. Wir würden ihn werfen, damit man uns im Internet surfen lässt, ohne dass Seiten gesperrt sind oder damit wir in offene Mikrofone das Wort „Freiheit“ sprechen können und nicht deshalb einer „konterrevolutionären Provokation“ bezichtigt werden.

Etliche von uns sind von den hinteren Rängen heruntergestiegen, von wo aus wir das Spiel betrachtet hatten. Falls die kubanische Regierung den Ball nicht aufnimmt, gibt es tausende Hände die bereit sind, davon Gebrauch zu machen, dass wir mit Werfen an der Reihe sind.

Anmerkungen der ÜbersetzerInnen:
* Yoani verweist hier auf einen Artikel von Reinaldo Escobar „Despenalizar la discrepancia“ (2007, revista consenso nr. 7, 2007). Eine deutsche Übersetzung finden sie in Kürze hier.

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

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