Die Sieben spazieren durch Theben*

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Der Besuch von 7 nordamerikanischen Kongressabgeordneten in unserem Land hat Erwartungen in Bezug auf eine Lawine von Touristen aus den USA geweckt. Die Besitzer von Fremdenzimmern rechnen mögliche Gewinne aus und die Taxifahrer träumen von diesen Kaugummikauern, die großzügige Trinkgelder hinterlassen. Am Terminal zwei des Flughafens José Martí sind bereits manche in Wartstellung – im Vertrauen auf die baldige Flexibilisierung der Reisebeschränkungen nach Kuba. Die Leute gaben diesen ersten Besuchern den Spitznamen „die Mutigen“, ich weiß nicht, ob dies wegen des Risikos geschah, das sie bezüglich der Gesetze ihres Landes eingingen, oder wegen der Kühnheit, auf eine Insel zu kommen, wo sie gemäß der offiziellen Maxime „der Feind“ sind.

Die erwartete „Normalisierung der Beziehungen zwischen den USA und Kuba“ muss in erster Linie zwischen den beiden Regierungen stattfinden. Auf der Ebene der Bevölkerung sind wir bereits seit geraumer Zeit dabei uns zu verständigen, nur dass unsere jeweiligen Regierenden es noch nicht gemerkt haben. Unsere Nation ist biterritorial, wenn wir die große Zahl von Landsleuten in Rechnung stellen, die in Nordamerika leben. Deshalb sollte eigentlich die kubanische Seite stärker daran interessiert sein, dass die Beziehungen auf beiden Seiten der Meeresenge von Florida in Bewegung kämen. Trotzdem scheint den ersten Schritt Obama zu tun, nicht Raúl.

Ich habe Schwierigkeiten, mich an einen einzigen Tag in diesen letzten 50 Jahren zu erinnern, an dem wir nicht davor gewarnt worden wären, dass der mächtige Nachbar uns anzugreifen gedenkt. Was wird mit den Parolen „Kuba ja, Yankees nein“ geschehen, mit dem importierten Ruf „Gringos“, wenn wir sie hier bereits alle herzlich „Yumas“** nennen? Der größte Teil der politischen Reden dieser fünf vergangenen Dekaden wäre überholt und es gäbe keinen „schwarzen Mann“ mehr, mit dem man die Kinder in den Schulen erschrecken könnte. Was würden die Aktivisten in der Partei denken, wenn man von ihnen verlangte, diejenigen zu akzeptieren, die sie bis vor kurzem hassen sollten? Wie soll David auf den Fotos eine gute Figur machen, wenn er, statt seine Steinschleuder zu bedienen, sich mit Goliath zum Dialog setzte?

Interessanterweise sehe ich niemanden auf den Straßen, der sich vor diesen möglichen Veränderungen ängstigt. Nervosität herrscht nur bei denen, die die Konfrontation benutzt haben, um sich an der Macht zu halten. Eher bemerke ich Freude, Hoffnung, den vorsichtigen Eindruck, dass die Distanz zwischen Miami und Havanna kleiner werden könnte, familiärer.

Anmerkungen der ÜbersetzerInnen:

* „Sieben gegen Theben“ ist ein Schauspiel von Aischylos, in dem 7 Feinde gegen Theben ziehen.
** Verbreitete Bezeichnung für AusländerInnen (Kubanismus).

Übersetzung: Bettina Hoyer, Iris Wißmüller, Sebastian Landsberger