Neid auf den Erfolg

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Eine Powerpoint-Präsentation, die hier die Runde macht, liefert Details zu der Schließung eines berühmten Restaurants in Havanna. Die Fotosequenz – offensichtlich aufgenommen von der Wirtschaftspolizei (DTI)* – zeigt die „Beweise“, die Juan Carlos Fernández García belasten sollen, dem Inhaber des privat betriebenen Restaurants Hurón Azul (dt.: Blaues Frettchen). Ich schloss die Betrachtung der rudimentären Multimediashow mit einer Geste des Ekels, jedoch nicht wegen der materiellen Güter, die sie dabei zeigten.

Die visuelle Präsentation bestätigte mir, dass sich anscheinend nur diejenigen am Besitz von bestimmten Objekten erfreuen dürfen, die uns die „Lehre von der Gleichheit“ von der Rednertribüne herab auferlegen. Die Liste der „Delikte“ trug ebenfalls zu meiner Übelkeit bei: „Verbotene Lebensmittel“ zu verkaufen, wie Languste und Rindfleisch; mehr als 12 Stühle im Restaurant zu haben; Malern Kredit zu geben, damit sie dort essen konnten; als Kunstmäzen von sich reden zu machen; eine große Stromrechnung zu zahlen; viel Bargeld zu besitzen und – eine große Dreistigkeit – ein Restaurant in Mailand eröffnen zu wollen. Als ob es nicht viel einfacher wäre, den Verkauf von den Tierchen mit den Antennen, die in unserem Meer leben, zu genehmigen, Juan Carlos zu beglückwünschen für seine Arbeit als Kulturförderer und zu erlauben, dass jedes Privatrestaurant so viele Stühle und Angestellte hat, wie es will. Aber nein, all dies zu genehmigen, würde eine viel zu starke Konkurrenz zu den erfolglosen Restaurants und den Kulturzentren des Staates bedeuten. Zuzulassen, dass das Hurón Azul weiterhin Erfolg hat, wäre mit dem Risiko verbunden, dass sein Besitzer eines Tages eine Kunstzeitschrift gründen oder ein Museum mit seiner Privatkollektion eröffnen wollte.

Diejenigen, die die Fotos gemacht haben, tun mir leid. Ich bemerke in all dem lustvollen Schweifen der Linse über dem Essen den großen Nahrungsmangel von denen, die das Dossier vorbereiteten. Ich schäme mich sehr, dass die Polizei unseres Landes sich der Aufgabe widmet, unternehmerische Bürger einzusperren, während unsere Straßen voll sind von Verbrechern, die Brieftaschen stehlen, rauben und betrügen. Ich bin traurig wegen der Nachbarn, grün vor Neid, die einen Groll hegten auf so großes Wohlergehen. Ich denke vor allem an den alten Mann, der die Autos am Eingang des Privatrestaurants bewachte, an die Frau, die das Geschirr abwusch und jetzt ohne Arbeit ist und vor allem an die Kinder von Juan Carlos. Die haben wahrscheinlich anhand des beispielhaften Falls des Hurón Azul gelernt, dass man, um Erfolg zu haben, diese Insel verlassen muss.

Anmerkungen der ÜbersetzerInnen:

* DTI steht für „Departamento Técnico de Investigaciones“ (eine kubanische Polizeieinheit)

Huron Azul

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Übersetzung: Bettina Hoyer, Iris Wißmüller, Sebastian Landsberger