Das Schweigen der Presse

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Umgeben von Gedenktagen und anderen Daten, die zu feiern sind, haben wir dem Tag der kubanischen Presse, der am vergangenen 14. März gewesen ist, wenig Aufmerksamkeit geschenkt.
Die Nachrichten brachten lange Reportagen über die hingebungsvolle Arbeit der Journalisten und deren Treue zur Revolution. Einige Reporter erhielten Urkunden für ihre hervorragende Arbeit und ihre tadellose ideologische Haltung, während die Tageszeitung Granma* dem Eigenlob viel Platz einräumte.

Ausgerechnet während dieser Festtage lockerte der nordamerikanische Präsident Barack Obama die Reisebeschränkungen der Kuba-Amerikaner für Reisen nach Kuba.
Die abgeschafften Beschränkungen verhinderten, dass diese Emigranten ihre Familie öfter als einmal in drei Jahren besuchen konnten. Ebenso setzten sie den Überweisungen von Unterstützungszahlungen an ihre Verwandten auf der Insel enge Grenzen. Für die prekäre wirtschaftliche Situation der Privathaushalte ist das aus den USA geschickte Geld unerlässlicher Sauerstoff fürs Überleben. In einem Land, von dem so viele Bürger am anderen Ufer leben, sollte die Nachricht dieser Flexibilisierung der Aufmacher auf der Titelseite aller Zeitungen sein. Sie ist das, was man in den Journalistenschulen als beherrschende Schlagzeile für die kommende Woche kennenlernen würde.

Trotzdem erwähnte die kubanische Presse diesen positiven Schritt, den der Bewohner des Weißen Hauses getan hat, fast nicht. Das öffentliche Schweigen war die einzige Antwort auf die so sehr ersehnte und begeistert aufgenommene Maßnahme. Obwohl auf der Straße alle von nichts Anderem reden und sich die Mütter darauf vorbereiten, ihre im Norden ansässigen Kinder willkommen zu heißen, sind die staatlichen Medien zurückhaltend. Die Journalisten sind in ganz andere Themen versunken gewesen: die Kartoffelernte, die World Baseball Classics, die Bolivarische Revolution** und – natürlich – die Feierlichkeiten zum Tag der kubanischen Presse.

Anmerkungen der ÜbersetzerInnen
* Offizielle Zeitung der Kommunistischen Partei Kubas, benannt nach dem Boot Granma, mit dem Fidel Castro, Che Guevara und 80 weitere Rebellen 1956 in Kuba anlandeten, um die langjährige Diktatur von Fulgencio Batista zu beenden (vgl. Wikipedia).
** Mit diesem Namen bezeichnet der venezolanische Präsident Hugo Chávez die Leitidee seiner Politik. Chávez bezieht sich dabei auf den venezolanischen Volkshelden Simon Bolívar, essen Traum ein vereinigtes Lateinamerika war. (vgl. POLIXEA-Portal)

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger