Pausenimbiss

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Wer erinnert sich nicht an jene süßen Törtchen und die dazugehörige Flasche mit dem Erfrischungsgetränk*, die wir – während der Jahre der sowjetischen Unterstützung – in der Schule als Imbiss bekamen. Wie alles, was gratis ist, verloren sie schließlich für uns an Bedeutung, und in den Pausen spielten wir häufig, indem wir uns mit den sprudelnden Erfrischungsgetränken anspritzten und uns die Törtchen zuwarfen. Aus unseren Händen flogen Kekse und Törtchen vom Balkon meiner kleinen Schule an der Ecke von Calle Salud mit Soledad. Obwohl wir diese Unterstützung zwischen den Unterrichtsstunden wenig schätzten, wären wir ohne sie bis zum Mittag ziemlich erschöpft und hungrig gewesen.

Zu Beginn der Wirtschaftskrise der neunziger Jahre war die Schulspeisung für Grundschüler eine der ersten Beihilfen, die wegfielen. Die Kinder hörten nicht mehr das Geräusch sich öffnender Flaschen oder das des LKWs mit den Keksdosen, der frühmorgens kam. Jene Süßigkeiten, die wir damals wegwarfen, wurden zu einer Erinnerung, die machte, dass wir uns über uns selbst ärgerten, über so viel Interesselosigkeit. Die Eltern mussten das Zubereiten eines Imbisses zum Mitnehmen in die Schule übernehmen, und in der Presse erklärte niemand, warum man sich ausgerechnet entschieden hatte, jene derart notwendige Unterstützung abzuschaffen.

Anmerkungen der ÜbersetzerInnen:

* Meistens eine dunkle Brause, die nur vom Aussehen her an Cola erinnerte.

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

Der Stern, der leuchtet und fehlt1

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Unter den verschiedenen Weisen, Licht zu verbreiten, gibt es ein paar ganz eigentümliche, wie „durch Abwesenheit glänzen“. Solch unverwechselbarer Glanz wurde gestern auf der Titelseite der Granma* offenbar, wo der kubanischen Flagge die fünf weißen Zacken auf dem roten Dreieck fehlen. Die Unruhe war so groß, dass die Zeitung in den ersten Morgenstunden ausverkauft war, und heute auf der Strasse redeten alle über dasselbe. Offensichtlich handelte es sich nicht um einen Druckfehler, denn ein Stern verschwindet nicht so einfach.

Ich möchte lieber denken, dass der – eigenwillige und überhebliche – Morgenstern, der unsere Souveränität darstellt, beschlossen hat, am Vorabend des Geburtstags des Meisters** zu verschwinden. Weil nämlich die Unabhängigkeit, die er ausstrahlt, nicht nur diejenige des Unabhängigseins von einer ausländischen Macht ist, sondern eine, die es jedem Staatsbürger erlaubt, souverän zu sein gegenüber dem mächtigen Staatsapparat. Angesichts der Tatsache, dass die Dunkelheit – auf dem Gebiet der bürgerlichen Freiheiten – uns nicht einmal die Hand vor Augen sehen lässt, verließ der einsame Stern seine rote Umgebung, um so das offizielle Parteiorgan mit seiner markanten Abwesenheit auf der ersten Seite zurück zu lassen.

Es gibt Fehler, die mit erheblich mehr Symbolkraft beladen sind, als hunderte von Treffern. Flüchtende Sterne und Leser, die ihre Flucht interpretieren; Inseln, die in der Abhängigkeit von Prophezeiungen und Vermutungen leben; Gedenktage für den Nationalheiligen und Flaggen, die sich trauen, das zu zeigen, was so viele verschweigen.

1Vers von José Martí, der eigentlich lautet „der Stern, der leuchtet und tötet“ (aus: Versos libres, 1913).

Anmerkungen der ÜbersetzerInnen:

* Tageszeitung der Kommunistischen Partei Kubas, benannt nach der Yacht, mit der die Guerilla unter Führung von Fidel Castro 1956 aus Mexiko nach Kuba übersetzte
** Der kubanische Nationalheld José Julián Martí Pérez wurde am 28. Januar 1853 in der Calle Paula, 41 im Stadtteil Havanna Vieja, Kuba, geboren.

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Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

Lokomotiv*

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Er begann mit einer Hacke und einem Spaten und verlegte die schweren Schwellen, die die Eisenbahngleise tragen. Sein Vater war ebenfalls Eisenbahner gewesen, und ein Onkel hatte es sogar so weit gebracht, die Wagen voller Zuckerrohr zur zentralen Zuckerrohrfabrik zu überführen. Er war sehr jung, und sein Leben war bereits an die Reiseroute einer Lokomotive gekoppelt, mit ihrer langen Reihe kreischender, überfüllter Wagons. Nach einigen Jahren schaffte er es – endlich – ein Steuerrad in seinen Händen zu halten und die Schlange aus Metall über die kubanischen Felder zu führen. Mein Vater wurde Maschinist und erfüllte damit eine Familienpflicht, denn diese war seit Jahrzehnten mit der Eisenbahn verbunden.

Mehr als einmal bediente ich eine dieser Maschinen, auf einem ruhigen Abschnitt, während er mein Treiben beaufsichtigte und mir die Bedienung der Pfeife beibrachte. „Wir hatten bereits früher Züge als Spanien“, pflegte mein Großvater väterlicherseits zu sagen, wenn ihn jemand nach seinem Beruf fragte. Und so wuchs ich auf, roch das Metall von Bremsen, die bei jedem Halt Funken schlugen, und ließ meinen kleinen Spielzeugzug fahren, zwischen Plastikbäumchen und Miniaturkühen.

Der Zerfall des Sozialismus in Europa brachte die Berufswege der Familie zum Entgleisen. Viele Lokomotiven standen aus Mangel an Ersatzteilen still. Die Abstände zwischen den Fahrten wurden größer, und Verspätungen wurden zum Normalfall. Von Havanna nach Santiago zu reisen, konnte ebenso gut zwanzig Stunden dauern wie drei Tage. In manchen kleinen Dörfern wurden die Wagons von notleidenden Bauern überfallen und ein Teil der beförderten Waren gestohlen. Die Lautsprecher des Hauptbahnhofs wiederholten unaufhörlich „Der Zug mit dem Ziel … wurde gestrichen.“ Mein Vater wurde arbeitslos, und seine Kollegen begannen sich ihren Lebensunterhalt mit verschiedenen illegalen Arbeiten zu verdienen.

Von diesem Unglück hat sich die kubanische Eisenbahn bis heute nicht erholt. Veraltete Strecken, lange Warteschlangen, um eine Fahrkarte zu kaufen, und der Niedergang eines ganzen Berufsstandes haben dazu geführt, dass dieses Transportmittel das schlechteste Ansehen überhaupt hat. „Wenn das in diesem Tempo weitergeht, werden wir früher als die Halbinsel** keine Züge mehr haben“, sagt mein Vater sarkastisch. Sein Blick ist nicht auf das Rad geheftet, das er gerade abmontiert – in seinem neuen Beruf als Reifenflicker für Fahrräder – sondern er blickt auf einen viel weiter entfernteren Punkt, in Richtung jenes eisernen Kolosses, den er einst über unsere lange, schmale Insel führte.

Anmerkungen der ÜbersetzerInnen:

* Yoani Sánchez verwendet im spanischen Original das Wort „Lokomotiv“, ein literarischer Kunstgriff mit russischer Konnotation; das spanische Wort für Lokomotive heißt locomotora.
„Von 1960 bis 1990 wurden auf Kuba unter technischer Mitwirkung der Sowjetunion ganze Industriezweige sowie die Verkehrs- und Energieinfrastruktur aufgebaut. Die Sowjetunion lieferte mehr als 300 000 Lkw und Pkw sowie Traktoren und Lokomotiven nach Kuba“ (aus: http://de.rian.ru/world/20080219/99623210.html).
** Gemeint ist wiederum die spanische Halbinsel.

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

Opfer? Nein. Verantwortlich

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Ich könnte den Tag angsterfüllt zubringen und mich vor den beiden Männern verbergen, die dort unten Posten bezogen haben. Ich würde Seiten damit füllen, was mir dieser Blog in meinem Privatleben alles gekostet hat, sowie mit den Zeugnissen derjenigen, die „gewarnt“ worden sind, dass ich eine gefährliche Person sei. Ich müsste mich lediglich dazu entscheiden, und dann wäre jeder meiner Texte ein langes Jammern bzw. der anklagende Zeigefinger einer Person, die die Schuld immer bei Anderen sucht. Aber ich fühle mich nicht als Opfer, sondern verantwortlich.

Ich bin mir bewusst, dass ich geschwiegen habe, dass ich einigen Wenigen erlaubt habe, meine Insel so zu regieren, als handele es sich dabei um eine Hacienda. Ich verstellte mich und akzeptierte, dass Andere Entscheidungen trafen, die wir alle hätten treffen müssen, während ich mich hinter dem Schutzschild verbarg, zu jung, zu zerbrechlich zu sein. Ich trage dafür die Verantwortung, mir die Maske aufgesetzt zu haben, meinen Sohn und meine Familie als Argument benutzt zu haben, nichts zu wagen. Ich applaudierte – wie fast alle – und ich verließ mein Land, als ich es nicht mehr ertrug. Und ich sagte mir, dass es leichter sei zu vergessen, als zu versuchen etwas zu ändern. Ich trage auch dafür die Schuld, dass ich mich – einige Male – habe von Groll oder von Verdächtigungen leiten lassen, die mein Leben geprägt hatten. Ich nahm hin, dass man mir den Verfolgungswahn einpflanzte, und ein vielfach gehegter Traum in meiner Jugend war ein Floß auf dem Meer.

Trotzdem, weil ich mich nicht als Opfer fühle, ziehe ich den Rock ein Stück hoch und zeige meine Beine den beiden Männern, die mir überall hin folgen. Es gibt nichts Lähmenderes als die sonnenbeschienene Wade einer Frau auf der Straße. Weil auch ich nicht aus dem Holz von Märtyrern geschnitzt bin, versuche ich, mein Lächeln nicht zu verlieren; denn schallendes Gelächter ist wie Granit für die Zähne der Machthaber. Und so lebe ich mein Leben weiter, ohne zuzulassen, dass man mich in reines Wehklagen, in ein einziges Jammern verwandelt. Schließlich ist das, was ich heute lebe, auch das Produkt meines Schweigens gewesen, unmittelbares Ergebnis meiner früheren Passivität.

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

Die Optimisten

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Etwa Mitte des Jahres 2007 versicherte mir Julito, dass noch ehe der August beginnen werde, Schweinefleisch für 10 Pesos pro Libra* – dem durchschnittlichen Tageslohn eines Arbeiters – verkauft werden würde. Da sich seine Weissagung nicht erfüllt hatte, wies ich ihn im Januar des vergangenen Jahres wegen des genauen Datums des sinkenden Fleischpreises zurecht. Mit seinem Dauerlächeln versicherte er mir, dass ich die wertvollen Fasern in den Sommermonaten – zu einem angemesseneren Preis – bekommen könnte. Dann kamen die Wirbelstürme und die Prognose meines Nachbarn wurde zu einer bitteren Prophezeiung oder, noch schlimmer, zu einer zerstörten Gutgläubigkeit. Ich bin ihm, während mehrerer Wochen, nicht noch einmal über den Weg gelaufen und erhielt nicht die Gelegenheit, ihm sein unangemessenes Triumphiergehabe unter die Nase zu reiben.

Gestern ist Julito bis in mein Stockwerk hochgestiegen, um von etwas anderem zu erzählen. Seine jüngere Tochter hat nämlich den bereits von der älteren beschrittenen Weg eingeschlagen, als sie sich während einer artistischen Auslandstournee absetzte. Die beiden sind in einer dieser stark bevölkerten US-amerikanischen Städte wieder zusammengekommen, und ihr Vater ist weniger traurig wegen der Trennung, als er froh ist wegen der Zukunft seiner Töchter. Im Wohnzimmer meiner Wohnung sitzend, erklärt er mir, dass er und seine Ehefrau planen, sich mit dem exilierten Teil der Familie wieder zu vereinigen. „Dort sind wir ihnen viel nützlicher“, sagte er mir in dem Ton von jemandem, dessen Entscheidung bereits gefallen ist.

Es lag mir auf der Zunge ihn zu fragen, ob er nicht die Senkung des Fleischpreises abwarten, und anschließend zum Wiedersehen mit der Familie fliegen wolle. Doch weiß ich, dass wir als Eltern normalerweise keinen Spaß verstehen, wenn es um unsere Kinder geht, und so zog ich es vor, seinen ehemaligen Optimismus nicht zur Sprache zu bringen. Ich verzieh ihm die unerfüllten Hoffnungen, die seine Prophezeiung bei mir hervorrief, ebenso wie die Einschätzung als eine „Pessimistin“, die er angesichts meines Misstrauens ausgesprochen hatte. Julito gehört zu jeden, die – obwohl bereits auf der Gangway des Flugzeugs – immer noch ihre Kritik herunterschlucken. Möglicherweise wird er später dann, in Boston, diesen Blog lesen und vielleicht schreibt er mir dann eine E-Mail, um mir zu gestehen, dass er nie an irgendetwas geglaubt habe und dass er genauso skeptisch gewesen sei wie ich.

Anmerkungen der ÜbersetzerInnen:

* Gewichtseinheit, 1 Libra = 454 Gramm

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

Wir, das Volk

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Ich bin postmodern und unreligiös: Reden rufen bei mir Schläfrigkeit hervor und ein auf die Tribüne gestiegenes Regierungsoberhaupt ist für mich der Gipfel der Langeweile. Ich assoziiere die Mikrofone mit den Aufrufen zu Unbeugsamkeit und die eloquente Redekunst von einigen schien mir immer wie bloßes Gezeter, um „den Feind“ zu betäuben. Bei den öffentlichen Veranstaltungen schaffte ich es, mich zu verdrücken, und ich bevorzuge das Brummen einer Fliege dem Hören von Versprechungen eines Politikers. Ich musste derartig viele Ansprachen hören – viele davon schienen überhaupt kein Ende zu nehmen, – dass ich nicht das richtige Publikum bin, um erneut langweiliges Gerede zu ertragen.

Für mich hat die Stimme, die von den Podien herunterschallt, mehr Intoleranz als Eintracht gebracht, eine größere Portion an Konfrontation als an Harmonie. Ich habe gesehen, dass von den Tribünen Prophezeiungen von Invasionen ausgingen, die niemals wahr wurden, wirtschaftliche Projekte, die sich ebenso wenig realisierten, und sogar solch diskriminierende Aussprüche wie „Soll der Abschaum doch gehen, gehen soll er!“. Deswegen bin ich wegen der feierlichen Ansprache so verblüfft, die Barack Obama heute gehalten hat; wegen der Art und Weise, wie er Argumente sauber miteinander verbunden und an die Eintracht appelliert hat.

Beim Lesen schien es mir so – ich habe keine illegale Satellitenantenne, um mir die Rede im Fernsehen anzusehen – dass eine ganze Rhetorik dazu verurteilt wurde, im 20. Jh. zu bleiben. Wir haben begonnen, uns von dieser aufrührerischen Redegewandtheit zu verabschieden, die uns bereits gar nicht mehr berührt. Allein, ich erwarte, dass „Wir, das Volk“ * diejenigen sind, die ab jetzt die Ansprachen schreiben.

* Entnommen aus der Übersetzung der Rede von Barack Obama in der spanischen Tageszeitung El País.

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

Komm und erlebe es!

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Inspiriert durch eine der vielen Tourismuswerbungen ist mir eine Idee gekommen, um Besucher auf die Insel zu locken. Dabei handelt es sich nicht um eine öko-touristische Reise, um die Natur zu erleben, oder um eine historische Tour zu den Plätzen und Denkmälern des Landes. Ein „Aufenthalt nach kubanischer Art“ könnte der Slogan für diese Tourismuskampagne sein, von vornherein dazu verurteilt, auf Desinteresse bei der möglichen Zielgruppe zu stoßen. „Komm und erlebe es!“ stünde auf dem Deckblatt des Rationierungsheftes, das all jene erhalten würden, die sich für dieses Abenteuer melden.

Die Unterkunft gliche nicht den Luxuszimmern, wie sie die Hotels in Varadero oder Cayo Coco vorweisen, sondern unsere Reiseanbieter würden finstere Löcher im Stadtteil Centro Habana empfehlen, Solare* im Stadtteil Buena Vista und eine aus allen Nähten platzende Unterkunft von Hurrikan-Opfern. Die Touristen, die dieses Angebot kauften, würden keine harte Währung zur Hand haben und für ihre Ausgaben über den zweiwöchigen Zeitraum, stünde ihnen ein halber Monatslohn zur Verfügung: dreihundert kubanische Pesos. Auf diese Art und Weise könnten sie sich weder in Devisentaxis setzen noch ein Mietauto durch das Land steuern; öffentliche Verkehrsmittel wären obligatorisch für die an dieser neuen Form des Reisens Interessierten.

Restaurants wären verboten für diejenigen, die sich für diesen Ausflug entschieden haben, und sie würden täglich ein 80 Gramm wiegendes Brötchen erhalten. Vielleicht hätten sie sogar das Glück, eine halbe Libra** Fisch zu ergattern, bevor ihr Rückflug startet. Um sich in andere Provinzen zu begeben, könnten sie nicht auf die Möglichkeit der Viazul-Busse*** zurückgreifen, wobei, anstatt drei Tage in der Schlange nach einem Ticket anzustehen, könnte man ihnen die Erleichterung gewähren, es nach nur einem Tag des Wartens kaufen zu können. Sie unterlägen dem Verbot, eine Yacht zu besteigen oder ein Surfbrett zu mieten, damit sie ihren Aufenthalt nicht in 90 Meilen Entfernung beenden, statt in unserem karibischen „Paradies“.

Am Ende ihres Aufenthaltes erhielten die wagemutigen Exkursionsteilnehmer dann ein Diplom als „Kenner der kubanischen Realität“ überreicht, doch müssten sie noch mehrere Male wiederkommen, um als „angepasst“ an unseren absurden Alltag zu gelten. Sie werden viel dünner zurückkommen, trauriger, besessen von einer Gier nach Lebensmitteln, die sie in den Supermärkten ihres Landes stillen werden und, vor allem, mit einer unglaublichen Überreaktion gegenüber touristischen Angeboten. Jene goldglänzende Reklame, die ein Kuba aus Mulatten, Rum, Musik und Tanz zeichnet, wird das Panorama aus Tragödien, Frustration und Apathie nicht verstecken können, das sie bereits kennengelernt und mitgelebt haben.

Anmerkungen der ÜbersetzerInnen:

* Solar: Armen- bzw. Arbeiterquartiere, bei denen oft mehrere Zimmer an einem Gang oder um einen Innenhof herum angeordnet sind und die sanitären Anlagen mit vielen Nachbarn geteilt werden mussten (oder noch müssen).
** Gewichtseinheit, 1 Libra = 454 Gramm
*** Viazul: staatliches Busunternehmen für Überlandtouren mit modernen Reisebussen in sehr guter Ausstattung. Tickets müssen in CUC bezahlt werden und sind daher für KubanerInnen normalerweise unerschwinglich.

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger