Warten

Nach überstandener Grippe, trällere ich einen Song des Liedermachers Erick Sánchez aus Havanna vor mich hin, den er mir bei seinem letzten Konzert gewidmet hat und an dem ich euch teilhaben lassen möchte. Eine eingängige Melodie über jene, denen nichts anderes einfällt, als – mit vor der Brust verschränkten Armen – darauf zu warten, dass andere etwas unternehmen. Das Lied hat schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, aber Erick hat ihm einen improvisierten Schluss angefügt, der es in die heutigen Zeiten der angeblichen Reformen und Erwartungen versetzt.

Mit diesem Video, das ich selbst im kleinen Theater des Museo de Bellas Artes aufgenommen habe, möchte ich erstmalig etwas Multimediales in diesem Blog einstellen. Wir haben ja nur siebzehn Monate „warten“ müssen, um ein bisschen Musik zu liefern, das ist nicht allzu lange …

Vorigen Samstag bin ich wieder nach Pinar del Río gefahren, und im nächsten Blogeintrag werde ich einige Bilder zeigen und Anekdoten erzählen, über das, was ich dort gesehen habe. Bis dahin überlasse ich euch erst einmal dem Rhythmus der Improvisation von Erick Sánchez.

Warten, warten, warten
darauf, ohne Erlaubnis ausreisen zu können
Warten, warten, warten
dass sie eine einheitliche Währung schaffen
Warten, warten, warten
Und, dass sie das machen, ohne dir wehzutun
Warten, warten, warten
Ohne die ganze Fragerei

•    Ich widme dieses Lied Adolfo Fernández Saínz*, der letzte Woche im Gefängnis von Canaleta seinen Hungerstreik beendete. Mit seiner Entschiedenheit und der Unterstützung von vielen, die sich seinen Forderungen angeschlossen haben, wurde erreicht, dass ihm die Gefängniswärter die konfiszierten Bücher zurückgaben.
Adolfo, mein Bruder, dieses Lied ist für dich, und hoffentlich musst du nicht mehr lange warten.

Anmerkung der ÜbersetzerInnen:
* Juan Adolfo Fernández Saínz (geb. 1946), Übersetzer und freier Journalist der nicht legalisierten Presseagentur „Patria“ in Havanna, wurde im Rahmen einer Verhaftungswelle im März 2003 in Havanna festgenommen. Er wurde gemäß Artikel 4.1, 4.2.b, 7.1 und 7.3 des Gesetzes 88 zur Sicherung der nationalen Unabhängigkeit und der Wirtschaft Kubas (“Ley de Protección de la Independencia Nacional y la Economía de Cuba”) in einem Schnellverfahren, das nicht internationalen Standards entsprach, zu 15 Jahren Haft verurteilt. Dieses Gesetz sieht sieben bis 15 Jahre Haft für die Weitergabe von Informationen an die USA vor. Die Strafe kann auf bis zu 20 Jahre ausgedehnt werden. Artikel 4 des Gesetzes 88 verlangt bis zu 15 Jahre Gefängnis für die Weitergabe von Informationen an die US-Regierung oder ihre Agenten, die dazu benutzt werden könnten, anti-kubanische Maßnahmen, wie das US-Embargo, zu festigen. Der Artikel 7 dieses Gesetzes bestraft die Kollaboration mit Radio- und Fernsehstationen, Print- und anderen Medien zur Unterstützung der US-Politik. Dieses Gesetz wird häufig als Grundlage für die Verhaftung und Verurteilung von Dissidenten herangezogen. Aufgrund seiner Unbestimmtheit und Ungenauigkeit fordert Amnesty International die Abschaffung dieses Gesetzes.
Mittlerweile ist Juan Adolfo Fernández Saínz aufgrund schlechter Haftbedingungen unterernährt und schwer erkrankt. Er erhält jedoch nur eine völlig unzureichende medizinische Versorgung.
(Quelle: Amnesty International)

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

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2 Gedanken zu “Warten

  1. lLiebe Yoani, die Sache steht nicht gut fuer Euch.Bei allem Respekt fuer Deine interessanten Artikel die uns zeigen was bei Euch da so vor geht ist nach den letzten Ereignissen in der Welt auch die Moeglichkeit dass sich bei Euch eine Wende vorbereitet schlechter geworden.Esperar, warten …. ich fuerchte wir koennen Eiuch nicht so helfen wie wir wollen.Dass sich bei Euch was aendert ist jetzt ungluecklicherweise in eine weitere Ferne gerueckt Leider seid Ihr nun auf Euch selbst angewiesen, die Welt hat viele andere Probleme, der ganze Kapitalismus ist im Wackeln.Mamma mia!!Aber lassen wir die Hoffung nicht fallen.Nur,,, wie sagte Brecht in der Dreigroschenoper: “Doch die Verhaeltnisse, die sind nicht so!!””Animo, a pesar de todo!!!

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