Ich sammle „Ablehnungsbescheide“

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Es gibt Leute, die eine ganz Wand mit ihren Urkunden tapeziert haben oder denen es das Hemd nach unten zieht, wegen des Gewichts der Medaillen. Helden die Narben sammeln und wir Bürger sammeln Enttäuschungen. Um bei dieser Sammelleidenschaft nicht hinten anzustehen, lege ich meine ganz eigene Kollektion an. Ich trage abgelehnte Ausreiseanträge, Papiere die wiederholen, dass ich „zum gegenwärtigen Zeitpunkt“ nicht ausreisen darf und Flugtickets mit aufgeschobenen Flügen zusammen. All das mit derselben Zwanghaftigkeit, mit der andere Etiketten von Erfrischungsgestränken oder Keramikfigürchen horten.

Unnachgiebig, wie eine Dose Kondensmilch, habe ich nochmals meine Pappiere für eine Reise nach Europa vorgelegt. Nicht einverstanden mit dem „Nein“, dass ich im Mai zur Antwort bekam, kehrte ich wieder zum „Büro für Ausreise-und Auslandsangelegenheiten“ im Stadtteil Playa zurück. Ich wartete einige Tage, während ein kaputt gegangenes Aufklebergerät die Antwort hinauszögerte, die mir intuitiv schon längst klar war. Schließlich bestätigte mir jemand in olivgrün, dass die Strafe weiter Bestand hat. Die Besserungsmaßnahme, der Reis unter meinen Knien, ist in meinem Fall das Verbot, die Insel zu verlassen. Hat Vater Staat immer noch nicht gelernt, zu was für ätzenden Kindern diejenigen werden, die nur selten das Haus verlassen?

• Ich überlasse euch hier das zweite Dokument in weniger als einem Jahr, das meine Existenz als gefangene Bloggerin bezeugt.

Anmerkungen der ÜbersetzerInnen:

Hier findet ihr eine Übersetzung des gesamten Dokuments.

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger