Gebärmutterstreik

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Sie hätte Gea gehießen und ihr Erscheinen hätte Teo von der Last erleichtert, als Einzelkind aufzuwachsen. Ihretwegen hätte ich abermals Babybrei aus Malangawurzeln zubereitet, nachts Fläschchen erhitzt und unzählige Windeln gewaschen. Aber bei genauerem Hinsehen blieb Gea der Wunsch nach einem weiteren Kind, das ich nicht bekam. Ich versetzte mich 20 Jahre in die Zukunft, mit denselben Wohnungsproblemen wie heute und mit zwei verheirateten Kindern, die mit ihren Angetrauten in unserer Wohnung leben würden. Anfangs würden die drei Ehepaare sich um ein harmonisches Zusammenleben bemühen, doch Streitereien wären unausweichlich.

Unsere Wohnung wäre eine von vielen, in denen mehrere Generationen leben und sich täglich eine lautlose Schlacht abspielt. Der Kühlschrank wäre in drei Zonen aufgeteilt und die Paare würden, angesichts der Nähe zu den anderen Betten, den Liebesakt im Stillen vollziehen. Die Enkelkinder würden kommen, um das Zimmer mit den Großeltern zu teilen – in diesem Fall wären das mein Mann und ich – und sie spüren lassen, dass sie bereits den Allerkleinsten im Wege stehen. Die Kinder verbrächten einen Großteil ihrer Zeit auf dem Gang vor den Wohnungen oder auf der Straße, wegen des wenigen Platzes, der in der Wohnung zur Verfügung steht. Sie würden Teenager werden und sich Partner suchen, neue potentielle Bewohner für diese bereits zum Bersten volle Wohnung.

Wenn meine Generation und die von Teo schon vor den Wirbelstürmen Gustav und Ike vierzig Jahre lang auf eine Wohnung hatten warten müssen, hat die Wartezeit jetzt die Lebenserwartung eines Menschenlebens überschritten. Gemeinsam mit den Dächern und Fenstern, die von den Stürmen fortgerissen wurden, flogen auch unsere Träume davon, ein eigenes Dach über dem Kopf zu haben. Wenn es keine Materialien gibt, um den Geschädigten ihr Verluste zu ersetzen, was können dann diejenigen noch erwarten, die auch schon zuvor nichts besessen hatten?

Ohne Sentimentalismus: Gea hat sich für immer aus meinem Leben verabschiedet, jetzt, wo es wirklich keinen Platz mehr für sie geben wird.

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger