Die Anschlagtafel auswechseln

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Es gibt Definitionen, Parolen und Arten, Dinge zu bezeichnen, die man aus purem Automatismus weiter verwendet, obwohl in der Realität wenig übrig geblieben ist, was diese Bezeichnungen rechtfertigen würde. Es wird weiterhin von einer sozialen Gleichheit gesprochen, die ich nirgends mehr zu finden vermag, von einer Souveränität, die im Kontrast zu unserer tatsächlichen Abhängigkeit von ausländischen Märkten steht, und von einer Ideologie, deren Prinzipien in diesem „Pseudo-Staatskapitalismus“ nicht hervortreten.

Wir können die Anschlagtafel über der Tür belassen, aber auch dadurch wird sich die Realität nicht der darauf ausgegebenen Parole annähern. So wuchs zum Beispiel – siehe obiges Foto – ein Baum und verdeckte einen Teil der ans Selbstmörderische grenzenden, starrsinnigen Wahl zwischen „Sozialismus oder Tod“. Das Leben selbst sorgte schließlich dafür, dass diese extreme Wahlmöglichkeit, die uns der Slogan vorschlug, schlicht lächerlich erscheint. Ein paar dicke Äste mit grünen Blättern verdeckten die Botschaft mit ihrer „Mähne“ und schufen damit eine Alternative zu all dem, was man uns während der schlimmsten Jahre der Spezialperiode von den Tribünen her zugerufen hat.

Jetzt droht ein wachsender kleiner Trieb auch noch das Wort „Sozialismus“ zu überdecken. Wäre das nicht der Moment, die Anschlagtafel ganz auszuwechseln?

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger