Männersache

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Hier im Centro Habana der „guapos“ (*) (etwa: Messerhelden, Anm. d. Ü.) und Streithähne, wo ich geboren bin, habe ich gelernt, dass es Grenzen gibt, die eine Frau niemals überschreiten sollte. Mein ganzes Leben lang habe ich diese lachhaften Machoregeln missachtet, aber jetzt – und zwar ausschließlich heute – werde ich mich an eine davon halten. Ausgerechnet an die, die mir am wenigsten gefällt; dass nämlich „eine Frau einen Mann an ihrer Seite braucht, der für sie einsteht, wenn sie von anderen angegriffen oder verleumdet wird“. Weil ich mich attackiert fühle von einem, der unendlich viel mehr Macht hat als ich, der mehr als doppelt so alt ist wie ich und der – wie meine Nachbarinnen aus Kindertagen sagen würden – der Inbegriff der Männlichkeit ist, habe ich beschlossen, die Antwort meinem Mann, dem Journalisten Reinaldo Escobar, zu überlassen.

Ich meine damit die abfälligen Äußerungen Fidel Castros über mich in seinem Vorwort zu dem Buch ‚Fidel, Bolivia y algo más’. Nicht einmal dieser Angriff von allerhöchster Stelle bringt mich von meinem Vorsatz ab, mich nicht auf einen Teufelskreis von Widerspruch und Selbstverteidigung einzulassen. Leider muss ich ihm mitteilen, dass ich weiter auf das Thema „Kuba“ konzentriert bleibe.

Die Austragung des Streits soll Reinaldo und Fidel überlassen bleiben. Allen Mutmaßungen zum Trotz bleibe ich bei meinem „Frauenkram“ und stricke weiter an dem verschlissenen Teppich unserer Zivilgesellschaft.

Die „guapos“ aus meinem Viertel werden merken, dass ich etwas von ihnen gelernt habe!

(*) Ein „guapo cubano“ darf niemals mit einem Schönling verwechselt werden, sonst setzt es ein paar Ohrfeigen oder schlimmstenfalls einen klärenden Messerstich.

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Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

Offenes Haar

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Wie viele andere in Havanna bin auch ich untröstlich über den Polizeieinsatz, mit dem etliche Betriebe dicht gemacht wurden, die bis dahin Teller, Teelöffel, Schnallen und Spangen aus Plastik hergestellt hatten. Nachdem der Polizei bei ihrer „Offensive gegen sozialen Ungehorsam“ über die „Taucher“ hergefallen war (siehe Blogeintrag vom 10. Juni: „In trüben Wassern fischen“, Anm. d. Ü.), hat sie jetzt 13 Werkstätten und 10 geheime Warenlager geschlossen, in denen heiß begehrte Artikel vertrieben wurden. Die illegalen Unternehmer hatten jedoch nicht etwa mit Drogen gehandelt oder Waffen verschoben, sondern schlicht und einfach Schüsseln, Wäscheklammern oder Haarspangen aus Plastik hergestellt.

Anscheinend gehört die Jagd auf Privatproduzenten zu dem neuen, dem Ausland so gerne präsentierten Wandel. Ob es so ist oder nicht, aus Protest gegen diese Razzia werde ich in nächster Zeit mein Haar offen tragen. Damit ich mir immer wieder sagen muss: „Yoani, gewöhne dich dran, dass immer mehr Accessoires verschwinden, mit denen du deine Mähne bändigen konntest.“ Fürs Erste habe ich einen Schaumlöffel aus Aluminium gekauft, und einen neuen Besen. Nach der jüngsten Beschlagnahmeaktion wird es so etwas bestimmt auch bald nicht mehr geben.

Uns verschreckten Käufern von „Überlebensmitteln aus Plastik“ wäre es lieber, wenn die alternativen Produzenten nicht Opfer von Polizeieinsätzen werden würden, sondern stattdessen legale Produktionsmöglichkeiten hätten. Würden sie von der ONAT (nationale Steuerbehörde, Anm. d. Ü.) legalisiert, dann würden sie auch Steuern zahlen und könnten ihre Produktionsmittel im Großhandel einkaufen. Innerhalb kürzester Zeit wäre dann niemand mehr bereit, ähnliche Waren teuer in Devisenläden zu erwerben, und der Staat müsste sie daher nicht mehr von weit her importieren. Und die notorischen Schnüffler müssten nicht mehr melden, wer Kaffeeservice, Kleiderbügel oder Dosendeckel herstellt. Ganz zu schweigen von meinem Haar, in dem eine hübsche Haarspange aus heimischer Produktion glänzen würde, erworben bei einem angesehenen selbstständigen Hersteller.

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Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger